Wirtschaft : Otelo steigt beim Digital-Fernsehen ein

Lösung für Bertelsmann/Kirch? HAMBURG (dpa).Im Kartellstreit um das Digitalfernsehen zeichnet sich eine überraschende Lösung ab: Die Medienkonzerne Kirch und Bertelsmann wollen ihre gemeinsame technische Basis für Dritte öffnen, und mit der Telefongesellschaft Otelo will ein potenter neuer Anbieter auf dem jungen Markt für Wettbewerb sorgen.Damit wachsen die Aussichten, daß die Europäische Kommission die Pläne von Kirch und Bertelsmann zur Fusion ihrer Digitalprogramme in letzter Minute doch noch genehmigt.Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Welt am Sonntag" hat Otelo in Brüssel ein "Alternatives Marktmodell" eingereicht.Es sieht vor, daß Otelo die bis zu 6000 örtlichen Kabelbetreiber "in einer Treuhändergesellschaft" organisiert und selbst Digitalfernsehen vermarktet.Dabei wolle Otelo - eine Gemeinschaftsfirma von RWE und Veba - technisch zunächst auf die "d-box" der Kirch-Gruppe zurückgreifen.Die Deutsche Telekom soll ihr Kabelnetz dezentralisieren und in das Konsortium einbringen.Dazu verlange Otelo eine europäische Richtlinie.Nach Informationen der "Welt am Sonntag" will die Telekom auf ihrer Vorstandssitzung am 25.Mai beschließen, ihr Kabelnetz zu regionalisieren.Das Vorstandsmitglied Gerd Tenzer wolle das Kabel-TV-Netz für 17,3 Mill.Haushalte zum 1.Januar 1999 verkaufen.Damit wäre Brüssels Vorwurf eines Monopols entkräftet.Bisher will die Deutsche Telekom AG gemeinsam mit der Münchener Kirch-Gruppe und der Bertelsmann AG die "d-box" anbieten.Außerdem wollen Kirch und Bertelsmann ihre Digitalfernseh-Angebote unter dem Dach des Senders Premiere zusammenlegen.Die Europäische Kommission lehnt die Pläne ab, weil sie das Entstehen einer dauerhaften Monopolstellung fürchtet.Nun haben Kirch, Telekom und Bertelsmann dem zuständigen EU-Kommissar Karel van Miert angeboten, die Technik der "d-box" bis Ende 1998 offenzulegen und bis zu einem Viertel ihrer gemeinsamen Technikfirma beta research zu verkaufen.Außerdem wollten Kirch und Bertelsmann ein Viertel ihrer Pay-TV-Rechte nach festem Schlüssel weitergeben.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben