Wirtschaft : Otto, Quelle und Neckermann mit Umsatzzuwächsen im Online-Geschäft

kvo

Thomas Steinmark gibt sich siegesgewiss: "Wir werden definitiv zu den Gewinnern des Internets gehören", so der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels (BVH). Und die Zahlen scheinen ihm Recht zu geben: Auf rund 120 Millionen Mark verdreifachten sich beispielsweise die Umsätze, die der Branchenführer Otto Versand im vergangenen Jahr ausschließlich über das Internet abwickelte. Der mit einem Umsatz von insgesamt 40,4 Milliarden Mark weltweit größte Versandhändler geht davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren bis zu fünf Prozent des Geschäfts über die neuen Medien abgewickelt werden wird. Alle deutschen Versandhändler wickelten nach Angaben des BVH 1999 insgesamt 328 Millionen Mark Umsätze über das Internet ab, im Vorjahr waren es noch 100 Millionen Mark gewesen.

Trotz dieser imposanten Zuwächse kann von einem multimedialen Goldrausch in der Branche aber noch keine Rede sein: Gemessen an dem Gesamtumsatz von 41 Milliarden Mark wurden 1999 gerade mal 0,8 Prozent des Geschäftes online abgewickelt. Trotzdem ist Steinmark vom Erfolg der Versender überzeugt: "Kein Online ohne Offline. Anders als viele Start-Ups, die nur im Netz stark sind, haben wir die Kompetenz für Transport und Logistik."

Tatsächlich haben viele E-Commerce-Anbieter Probleme, ihre vollmundigen Versprechungen auch halten zu können. Nach einer Studie des Unternehmensberaters KPMG werden zurzeit ein Viertel aller E-Commerce Bestellungen zu spät geliefert. Und obwohl die Zahl der Internet-Nutzer rapide steigt, stellte die Frankfurter Markforschungsgesellschaft Forit GmbH fest, dass zwar 51 Prozent der Internet-Nutzer vor größeren Anschaffungen im Internet recherchieren. Den Schritt zum Online-Kauf machte jedoch nur rund ein Viertel der Befragten - zu groß waren die Bedenken bei der Datensicherheit.

Beim BVH ist man trotzdem vom Online-Geschäft überzeugt. Angst, dass das Internet die Kundenströme nur umlenken könnte, ohne echte Zuwächsen zu bringen, hat man nicht. Eine "Kannibalisierung" des Geschäfts räumt Steinmark zwar ein. "Natürlich wird das Internet einen Teil unserer traditionellen Kunden schlucken." Er setzt darauf, dass über das neue Medium mehr junge Menschen angesprochen werden.

An das Geschäft im Internet glaubt auch Quelle-Vorstandschef Willi Harrer. Die Nürnberger waren 1995 als erstes deutsches Versandunternehmen im Internet vertreten. In diesem Jahr präsentierte Harrer das neue Firmenlogo: Mit rotem "dot"-Punkt und der Internet-Adresse als Unterzeile. Rund 150 Millionen Mark von 12 Milliarden Gesamtumsatz wurde bei Quelle 1999 über Bildschirmtext und Internet gemacht, ein Plus von 250 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit der Fusion im vergangenen Jahr ist der Karstadt-Quelle-Konzern Marktführer in Sachen E-Commerce. Neben quelle.de und neckermann.de gehört auch das virtuelle Karstadt-Kaufhaus my-world.de dazu.

My-World ist seit seiner Gründung 1996 allerdings weit davon entfernt, eine Erfolgsstory zu sein. Nach vier Relaunches und insgesamt 65 Millionen Mark Investitionen wurden 1999 15 Millionen Mark Umsatz gemacht, 21 Milliarden Mark betrug der Umsatz der Karstadt-Gruppe insgesamt. Insgesamt setzte der Karstadt-Quelle-Konzerns im E-Commerce 214 Millionen Mark um. Jetzt zieht man Konsequenzen: Demnächst wird das Angebot von My-World unter die Internetadresse www.karstadt.de gepackt .

Von einem Mißerfolg des Projektes will Konzernsprecherin Armgard von Burgsdorff allerdings nichts wissen. Für sie ist die Änderung nicht das Aus für My-World, sondern nur eine Adressänderung. "Die meisten Kunden kommen sowieso über die Karstadt-Website zu My-World."Mehr zum Thema im Internet unter

www.otto.de

www.quelle.de , www.karstadt.de

www.bvh-versandhandel.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben