Wirtschaft : Otto Reichelt verkauft weniger

BERLIN (alf).Die Otto Reichelt AG will über eine weitere Modernisierung ihrer Filialen und "anspruchsvolle Produkte" wie beispielsweise frischen Fisch aus den roten Zahlen kommen.Im laufenden Jahr dürfte das allerdings schwierig werden.Der Vorstandsvorsitzende Uwe-Jens Beister sagte am Freitag auf der Hauptversammlung in Berlin, in den ersten vier Monaten sei der Umsatz um rund fünf Prozent gesunken.Eine Dividende sei nicht zu erwarten.Auch für 1998 gibt es keine Ausschüttung, nachdem für 1997 und 1996 noch 0,70 DM beziehungsweise 0,90 DM gezahlt worden waren.Die mehrheitlich zu Edeka gehörende Lebensmittelkette mußte im vergangenen Jahr einen Fehlbetrag von 56,7 Mill.DM verkraften; insbesondere die Rückstellungen für Filialschließungen und Standortrisiken in Höhe von 44 Mill.DM führten zu dem hohen Verlust.Der Nettoumsatz fiel 1998 auf 1,22 Mrd.DM (Vorjahr: 1,35 Mrd.DM).Elf Filialen wurden geschlossen, eine neue eröffnet, so daß Reichelt Ende des Jahres 112 Supermärkte unterhielt, 80 in Berlin, 25 in Brandenburg und sieben in Sachsen-Anhalt.

Auf entsprechende Kritik von Aktionärsvertretern räumte Beister ein, daß die Expansionsstrategie der vergangenen Jahre falsch gewesen sein.Künftig werde sich das Unternehmen wieder vestärkt auf seinen Kernmarkt Berlin konzentrieren.Allerdings sei die Marktlage in der Hauptstadt, wo Reichelt 85 Prozent des Umsatzes macht, unverändert schwierig.So würden die Berliner drei Prozent weniger für Nahrungsmittel ausgeben, gleichzeitig gebe es jedoch vier Prozent mehr Verkaufsflächen.Wenn dann auch noch mit Hilfe des Senats ein Globus-Supermarkt in Charlottenburg eröffnet werde, sei es überaus ärgerlich, "welchen Angriffen wir uns als alteingesessenes Unternehmen gegenübersehen", sagte Beister.

In diesem Jahr sollen 37 Filialen umgebaut werden, bis Ende nächsten Jahres seien dann alle Reichelt-Märkte für insgesamt 140 Mill.DM modernisiert, kündigte Beister an.Um Kosten zu senken, holt das Unternehmen ehemals ausgelagerte Dienstleistungen zurück, so übernehmen die Reichelt-Mitarbeiter künftig die Lieferung von Milch und Molkereiprodukten sowie die Reinigung der Märkte.Der Lieferservice, über den seit Anfang des Jahres in ganz Berlin 2500 Artikel bestellt werden können, komme inzwischen auf einen Jahresumsatz von knapp sechs Mill.DM, sei aber noch nicht kostendeckend.

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