Wirtschaft : Otto wächst schneller als der Markt

Größter Versandhändler legt im ersten Quartal zu – doch die Deutschen halten sich mit großen Anschaffungen weiter zurück

Fritz Niemann,Corinna Visser

Berlin - Dank eines guten ersten Quartals erwartet Otto, der größte Versandhändler der Welt, im laufenden Geschäftsjahr bei Umsatz und Gewinn wieder zulegen zu können. „Wir sind besser als der Markt ins neue Geschäftsjahr gestartet“, sagte Vorstandschef Michael Otto in Hamburg bei der Vorlage der Bilanz. Gegen den Trend konnte Otto im ersten Quartal den Umsatz um 4,1 Prozent steigern. Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 29. Februar endete, hat Otto dagegen mit 14,3 Milliarden Euro 4,5 Prozent weniger erlöst als im Jahr zuvor.

Dabei hat sich das Geschäft sehr unterschiedlich entwickelt: Im Ausland, wo inzwischen fast die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet wird, lief es deutlich besser als in Deutschland. Allein in den USA wuchs der Umsatz (bereinigt um Wechselkurseffekte) um 6,9 Prozent. „Risiken und negative Tendenzen im Handel“ würden durch erfolgreiche Entwicklungen etwa bei „Finanzdienstleistungen und Service relativiert“, sagte Otto. Besser als das klassische Kataloggeschäft entwickeln sich die Spezialversender. Immer wichtiger wird auch der elektronische Handel. Hier stieg der Umsatz um 24 Prozent auf zwei Milliarden Euro. Für die zweite Jahreshälfte rechnet Otto auch in Deutschland mit einer Belebung des Konsums.

Auch Wolfgang Twardawa von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erwartet, dass sich die Deutschen nach „den Zeiten der selbst auferlegten Askese wieder etwas gönnen“ werden. Für Optimismus gebe es zwar keinen Anlass. Dennoch komme „nach Geiz ist geil nun Reiz ist geil.“ Die Konsumenten würden sich jedoch beim Kauf langlebiger Güter wie Autos weiter stark zurückhalten. Aber „manchmal kaufen sich die Deutschen etwas Freude“, sagte Twardawa. Für Lebensmittel etwa würde weiter viel ausgegeben, „denn wenn der Kühlschrank schon nicht neu ist, so soll er wenigstens gut gefüllt sein“. Auch von den vielen großen Sportevents in diesem Jahr – Fußball-Europameisterschaft, Tour de France und Olympische Spiele in Athen – verspricht sich Twarwada eine weitere Aufhellung des Konsumklimas.

Laut Holger Wenzel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), sind die Deutschen weiterhin „sehr zurückhaltend“ beim Konsum. Die ersten fünf Monate seien für den Einzelhandel sehr enttäuschend verlaufen. Um 2004 das prognostizierte Wachstum von 0,5 Prozent zu erreichen, „müssen wir uns schon verdammt anstrengen“. Aus Sorge um ihre Rente würden die Deutschen ihr Geld zur Zeit vor allem in die private Altersvorsorge investieren, statt zu konsumieren. Wenn sie einkaufen dann am liebsten Digitalkameras oder auch Handys. Bevor jedoch so etwas wie eine neue Waschmaschine angeschafft würde, werde die alte „lieber noch ein weiteres Mal repariert“, sagte Wenzel. Das bestätigt auch der Handelsverband BAG: „Die Deutschen geben ihr Geld zur Zeit für den Bedarf des täglichen Lebens aus“, sagte eine Sprecherin. Für Lebensmittel, Kosmetik und Körperpflege hätten die Deutschen sogar etwas mehr Geld ausgegeben als im Vorjahr.

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