Wirtschaft : Pack den Rekord in den Tank

Bernd Hops

Schnee und dicke Jacken scheinen noch sehr weit weg. Doch an den Ölbörsen wird schon darauf spekuliert, dass der Winter vielleicht hart und der Bedarf an Wärme hoch sein wird. Jede noch so kleine Unsicherheit in der Ölversorgung wird deshalb schnell für einen neuen Preisaufschlag genutzt. Und selbst wenn sich die Sorgen als unbegründet herausstellen, haben die Märkte derzeit eine erstaunliche Kreativität darin entwickelt, neue Gründe zu entdecken. Deswegen ist es sehr wahrscheinlich, dass an den Ölmärkten in den kommenden Monaten regelmäßig Rekordpreise verkündet werden – und damit auch an der Tankstelle.

Doch kann der Anstieg beim Öl nicht eins zu eins auf die Tankstellenpreise umgerechnet werden. Derzeit kostet ein Liter Normalbenzin im Bundesschnitt rund 1,28 Euro. Ein Barrel (159 Liter) Öl wird in New York bei knapp 68 Dollar notiert. Nun gehen Investmentbanken davon aus, dass der Börsenpreis bei einer Verknappung der Ölversorgung auf 100 Dollar und mehr steigen könnte. Das würde also einen Aufschlag von knapp 50 Prozent bedeuten. Nun steht der Anteil der Zutat Öl am Preis des Produkts Benzin nicht an erster Stelle. Gerade einmal rund 40 Euro-Cent sind darauf zurückzuführen. Der Rest wird vor allem durch Mineralöl-, Mehrwert- und Ökosteuer verursacht. Die Marge des Tankstellenbetreibers – also die Kosten für den Benzintransport zur Station und deren Betrieb sowie der Gewinn – macht derzeit gerade einmal 4,4 Cent aus.

Bei einem Anstieg des Ölpreises um 50 Prozent würde also – grob gerechnet – der Anteil, den der Autofahrer für das reine Produkt zahlen muss, von 40 Cent auf 60 Cent steigen. Auf die zusätzlichen 20 Cent würden dann noch einmal 16 Prozent Mehrwertsteuer fällig: 3,2 Cent. Die Mineralölsteuer bildet dagegen einen festen Sockel. Ein Autofahrer muss also mit einem Benzinpreis von gut 1,51 Euro rechnen – oder auch ein, zwei Cent mehr, da viele Tankstellen rote Zahlen schreiben und sicher versuchen werden, ihre Marge zu erhöhen. Eine Hoffnung bietet aber noch der Euro. Sollte er wieder an Stärke gewinnen, würde er einen Teil des Preisanstiegs beim in Dollar gehandelten Öl abfangen.

schaut auf die Benzinpreisentwicklung der kommenden Monate

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