Wirtschaft : Palastrevolte im Reich der Mickey Maus

Führungskrise bei Walt Disney – trotz großer Erfolge

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New York (pf). Mit dem Spaß ist es im Reich der Mickey Maus vorbei. Managementquerelen und der Streit um die richtige Strategie führten den amerikanischen Unterhaltungskonzern Walt Disney Company in eine ernste Führungskrise. Roy E. Disney, das letzte Verbindungsmitglied zur Gründerfamilie, hat gerade entnervt aufgegeben, ebenso sein langjähriger Partner Stanley Gold und drei weitere Manager. Vorläufiger Sieger dieses Machtskampfes ist Vorstandschef Michael Eisner, dessen selbstherrlicher Führungsstil und Hang zum Mikromanagement den Streit ausgelöst haben.

Der 71 Jahre alte Roy Disney macht Eisner für den steilen Absturz der DisneyAktie verantwortlich und wirft ihm kurzfristiges Profitdenken auf Kosten einer langfristigen Strategie vor. Eisners Befürworter sehen das anders. Disney galt lange als verschlafener Betreiber von Vergnügungsparks. Erst unter Eisners Führung sei das Unternehmen zum weltweit zweitgrößten Medienkonzern aufgestiegen, meinen Branchenkenner.

Disney und Gold kündigten eine lange und lautstarke Kampagne gegen Eisner und seine Leitung des Disney-Konzerns an. Dies erklärten sie in Interviews. Sie wollen Eisner so lange wie nötig bekämpfen, um seinen Rücktritt zu erreichen, erklärten beide.

Der Walt Disney-Neffe warf Eisner eine ganze Fehlerliste vor. Eisner soll unter anderem zu viele talentierte Manager verloren haben, weil er keinen klaren Nachfolgeplan hatte. Gold kritisierte die Leistungen der Fernsehtochter ABC und die Entwicklung der Freizeitparks. Mit den Worten: „Es ist meine ernsthafte Überzeugung, dass du ausscheiden solltest und nicht ich“, hatte Disney den Rücktritt Eisners verlangt.

Roy Disney ist sauer, weil Eisner ihn zunehmend von Informationen und Entscheidungen abgeschnitten habe. Schwer enttäuscht dürfte er vor allem über die Entscheidung des Aufsichtsrates gewesen sein, die Altersgrenze für Direktoren auf 72 Jahre festzulegen. Das hätte Roy Disney im kommenden Jahr zum Ausscheiden gezwungen. Anstatt seine formelle Absetzung abzuwarten, hat Roy Disney am Sonntag freiwillig abgetreten.

Gold wiederum kritisierte die Entscheidung des Aufsichtsrates, Eisner mit einem Bonus von fünf Millionen Dollar belohnt zu haben. Er, Gold, habe wegen der schwachen Finanzkraft des Unternehmens dagegen gestimmt. Außerdem: Eisner dulde keinen Widerspruch und entferne jeden Andersdenkenden aus dem Management.

Eisner ist bekannt dafür, sich überall einzumischen. Kein Teppich wird gekauft, der ihm nicht gefiele, er tritt als Fernsehkommentator auf und korrigiert Drehbuchschreiber. Glaubt man seinen Kritikern, hasst Eisner jedwede Einschränkung seiner Macht; Ja-Sager würden belohnt, Kritiker hart bestraft. Mit Harvey Weinstein, dem Chef des von Disney übernommenen Filmstudios Miramex habe er sich verkracht und auch mit Steven Jobs komme er nicht klar. Jobs ist zugleich Chef des PC-Herstellers Apple und des Pixar-Zeichentrickfilmstudios, das gemeinschaftlich mit Disney den Kassenschlager „Findet Nemo“ produziert hat.

Eisner hat nicht einmal einen Aufstand der gebeutelten Aktionäre zu befürchten, denn der Börsenkurs hat sich in letzter Zeit wieder kräftig erholt. Seit Beginn des Jahres ist Disneys Aktienkurs um 42 Prozent gestiegen; mit knapp 22 Dollar liegt er aber immer noch weit entfernt von seinem im April 2000 erreichten Hoch von 43,63 Dollar. Was sagt Eisner selbst zur Revolte in seinem Micky-Maus-Reich? Ein „Bärendienst an den Aktionären“, schimpft er und zeigt statt dessen auf die Finanzstärke und den Erfolg des Konzerns. Gerade erst konnte er verkünden, dass Walt Disney mit drei Milliarden Dollar Bruttoeinnahmen aus dem weltweiten Filmgeschäft einen neuen Rekord brechen wird.

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