Wirtschaft : Panik ist nicht angebracht

Natürlich sollte man kein Dioxin einnehmen, wenn sich das vermeiden läßt. Trotzdem besteht für die Konsumenten, die in den vergangenen Monaten angeblich verseuchte belgische Nahrungsmittel verzehrt haben, kein Grund zu übertriebener Beunruhigung. Mit diesem Argument hätten Politiker die Öffentlichkeit in Europa beruhigen müssen, wo wieder einmal Panik über die Schädlichkeit von Lebensmitteln ausgebrochen ist. Stattdessen hat leider Panikmacherei wie so oft eine sachliche Auseinandersetzung verhindert.

In den vergangen Wochen hat Belgien viele Produkte vom Markt genommen, die aus Hähnchen, Eiern, Rind und Schwein hergestellt weden. Viele andere Länder haben den Import solcher Produkte aus Belgien verboten. Zu einem Teil sind radikale Umweltschützer daran schuld. So hat zum Beispiel Greenpeace kürzlich Dioxin als "Supergift" und als eine "hochgiftige und krebserregende Substanz" bezeichnet. Dabei gibt es bisher keinen Anhaltspunkt dafür, daß Dioxin krebserregend ist. Nur in einem Fall konnte man den Tod eines Menschen mit Dioxin in Verbindung bringen. Gleichfalls irreführend war auch, daß Greenpeace Dioxin eine "künstlich hergestellte" Chemikalie genannt hat. Denn Dioxin entsteht häufig bei der Verbrennung organischer Substanz, so wird es etwa bei Waldbränden in großer Menge freigesetzt. Nicht zuletzt nimmt der Mensch Dioxin in geringer Menge tagtäglich über die Nahrung zu sich.

Den besten Beweis dafür, daß Dioxin für den Menschen relativ ungefährlich ist, liefert eine Studie. In dieser wurden Menschen untersucht, die 1976 wegen einer Explosion in einer Chemiefabrik im italienischen Seveso sehr viel Dioxin ausgesetzt waren (sehr viel mehr, als durch irgendein belgisches Lebensmittel). Das schlimmste Symptom: starke Akne, die in den meisten Fällen schnell verschwunden ist. Auch in den zwei Jahrzehnten darauf konnte laut der Studie keine signifikant höhere Krebsrate in der Region festgestellt werden.

Angesichts dieser Tatsache wäre es vernünftiger gewesen, wenn die belgische Regierung die Konsumenten über die Sachlage informiert hätte, damit diese sich ihre eigene Meinung bilden können. Gleichzeitig hätte sie natürlich trotzdem Schritte unternehmen müssen, um eine weitere Verseuchung zu vermeiden. Sicherlich wurde - zumindest in einigen Fällen - Futter mit einem überhöhten Dioxingehalt an belgische Hühner verfüttert. In einigen Fällen führte das sogar zum Tod der Tiere. Doch ist das eher ein Grund, die Bevölkerung zu beruhigen als zu alarmieren. Denn Hühner vertragen bekanntermaßen sehr viel weniger Dioxin als Menschen. Das heißt: Die Hühner, die lang genug gelebt haben, um auf den Markt zu kommen, waren wahrscheinlich mit nur wenig Dioxin verseucht, zu wenig um eine Gefahr für die menschliche Gesundheit zu sein.

Ist Dioxin nun giftig? Ja - wenn die Dosierung sehr hoch ist, wie das bei fast allen Substanzen der Fall ist. Müssen sich aber Konsumenten um ihre Gesundheit sorgen, weil sie kurzfristig etwas mehr davon abbekommen haben? Die Antwort ist nein. Wenn das nächste Mal jemand behauptet, ein Lebensmittel könnte uns umbringen, sollte man sich fragen, was für eine politische Motivation hinter einer solcher Behauptung steht.

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