Wirtschaft : Panikverkäufe nach dem Flugzeugabsturz

Mit Panikverkäufen haben die internationalen Börsen am Montag auf Meldungen von einem Flugzeugabsturz über New York reagiert. Binnen Minuten wurden alle Hoffnungen auf ein zumindest stabiles Kursniveau zerstört. Nachdem die Meldung gegen 15 Uhr 35 über die Nachrichtenticker gelaufen war, sackte der Deutsche Aktienindex (Dax) schlagartig um 5,3 Prozent auf 4648 Punkte ab. Am Abend konnte sich der Index auf 4820 Punkte (minus 1,8 Prozent) erholen.

Auch an der Leitbörse der Welt, der New Yorker Wall Street, brach der Dow Jones zum Handelsbeginn um 189 Zähler oder rund zwei Prozent ein. An der Technologiebörse Nasdaq gab der Index um 43 Punkte oder 2,35 Prozent auf 1785 Punkte nach. Noch am vergangenen Freitag hatte der Dow mit dem besten Ergebnis seit den Terroranschlägen vom 11. September geschlossen. Am Abend ging es dann auch in New York mit den Kursen wieder leicht aufwärts. Insbesondere die Technologiewerte glichen die Verluste wieder aus.

Die Anleger ließen sich zunächst auch nicht durch Meldungen beruhigen, dass es sich bei dem Absturz nicht um einen Anschlag, sondern um einen Unfall gehandelt habe. "Das weckt Erinnerungen an die Anschläge vom 11. September", sagte ein Händler. "Die Leute reagieren paranoid auf Flugzeugabstürze."

Insbesondere die Aktien von Fluggesellschaften, Tourismus-Unternehmen und Versicherern mussten zwischenzeitlich starke Kursverluste hinnehmen. Lufthansa brach unmittelbar nach Bekanntwerden des Unglücks um fast elf Prozent ein. Später erholte sich das Papier auf ein Minus von knapp drei Prozent. Analysten rechneten bereits vor dem gestrigen Absturz mit drastischen Ergebniseinbußen bei der Deutschen Lufthansa, die morgen ihre Zahlen für die ersten neun Monate vorlegen wird. Titel des weltgrößten Touristikkonzerns Preussag gaben um 2,8 Prozent nach. Zunächst waren sie um fast acht Prozent eingebrochen. Auch die Versicherer Allianz und Münchener Rück, verloren rund drei Prozent.

In den USA sackten die Papiere des American-Airlines-Eigners AMR Corporation, zeitweise um 23 Prozent in die Tiefe. Auch die Anteile der Konkurrenten Delta, Northwest und United Airlines waren schlagartig um bis zu zehn Prozent weniger wert.

Experten mutmaßten, dass der Absturz eines Airbusses A300 die bereits tief in der Verlustzone steckende Fluggesellschaft American Airline in eine brenzlige Lage bringen könnte. Luftfahrt-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler rechnet infolge des Flugzeugabsturzes mit einer weiteren Welle von Stornierungen bei Flugreisen. Er wertete die Kursverluste am Frankfurter Aktienmarkt aber eher als "eine Schrecksekunde", und glaubt, dass sich die Branche bereits in einigen Wochen wieder von diesem Schlag erholt haben werde. Dies sei nach Flugzeugabstürzen immer wieder zu beobachten. Ein Kollege von Pieper warnte jedoch, dass der Vorfall, ob Anschlag oder Unfall, "die ohnehin geschwächte Luftfahrtindustrie zusätzlich belasten" dürfte. Michael Friedman, ein Analyst von American Express Financial Services, fürchtet harte Zeiten für die Industrie für eine lange Zeit.

Auch die Aktienmärkte in Paris und London gaben deutlich nach. Der Londoner FTSE-100 verlor 1,9 Prozent auf 5146 Zähler. Die Aktie von British Airways brach um 6,5 Prozent ein. Der Aktienindex der Pariser Börse der CAC 40 verlor 3,1 Prozent. Der Euro Stoxx 50, der die 50 größten europäischen Unternehmen repräsentiert fiel um fast drei Prozent.

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