Pannenserie : Spanische Grippe bei Ryanair

Der Billigflieger Ryanair gerät wegen Notlandungen in Spanien unter Druck. Die Grünen fordern einen Sonderbericht vom Verkehrsministerium.

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Am Boden. Ryanair hat Ärger in Spanien.
Am Boden. Ryanair hat Ärger in Spanien.Foto: dpa

Die Billigfluggesellschaft Ryanair gerät in die bisher schwerste Krise ihrer Geschichte. Nach mehreren ungeplanten Landungen auf spanischen Flughäfen erhöhen spanische Behörden nun den Druck auf die irische Gesellschaft. Der für seine flotten Sprüche bekannte Ryanair-Chef Michael O’Leary reagiert ungewohnt humorfrei und wirft den Spaniern eine „Verleumdungskampagne“ vor. Er weiß: Wenn der Glaube an die Sicherheit bei einer Airline auch nur ansatzweise erschüttert wird, kann sie dichtmachen – unabhängig davon, ob Vorwürfe stimmen oder nicht.

Die spanischen Behörden gehen davon aus, dass es sich bei sechs Vorfällen in ihrem Luftraum nicht um Zufall handeln kann: Am Samstag hatte ein Ryanair-Flieger, der vom britischen Bristol zur katalanischen Stadt Reus gestartet war, „aufgrund von möglichen Triebwerksproblemen“ in Barcelona landen müssen, wie Ryanair mitteilt. Die 171 Passagiere reisten im Bus weiter. Am Sonntag entschied sich ein Ryanair-Pilot auf dem Weg von französischen Flughafen Beauvais nach Teneriffa Süd zu einer außerplanmäßigen Landung in Madrid. Dort wurde die Maschine zwei Stunden untersucht und flog dann mit 159 Passagieren weiter.

Bereits am Donnerstag war ein aus Weeze in Nordrhein-Westfalen kommender Flieger nach „Turbulenzen“ an Bord mit drei Verletzten auf Mallorca notgelandet. Zuvor war ein Gran-Canaria-Flug wegen Druckabfalls nach Madrid zurückgekehrt. Schon Ende Juli war Ryanair negativ aufgefallen, weil drei Flieger wegen schlechten Wetters über Spanien kreisen mussten. Der Treibstoff war knapp, weshalb sie in Valencia notlanden mussten.

Diese Vorfälle hatten auch die deutsche Pilotenvereinigung Cockpit vergangene Woche auf der Berliner Luftfahrtmesse Ila veranlasst, Vorwürfe gegen Ryanair zu erheben: Die Airline würde Piloten systematisch unter Druck setzen, indem sie ihnen strikte Vorgaben zur maximalen Treibstoffmenge mache. Es sei Praxis, Listen aufzuhängen, auf der Piloten in der Reihenfolge ihres Treibstoffverbrauches aufgelistet werden, behauptete Cockpit. Ryanair weist die Vorwürfe zurück.

Die spanische Regierung erklärte am Montag in Madrid, sie nehme all diese Vorkommnisse bei der Billigfluglinie sehr ernst. Sie werde auf mehr Kompetenzen drängen, um Ryanair-Flüge in Spanien stärker unter die Lupe nehmen zu können. Rafael Catala, Spaniens Vize-Verkehrsminister, wolle mit der EU und der irischen Luftfahrtbehörde IAA umgehend verhandeln, um entsprechende Befugnisse für die spanischen Aufsichtsbehörden zu erhalten, hieß es. Bisher ist vor allem die irische Aufsichtsbehörde für die Kontrolle von Ryanair zuständig

Ryanair-Chef O’Leary sprach derweil von „falschen“ Rückschlüssen der spanischen Regierung hinsichtlich der Sicherheit bei seiner Fluglinie, dahinter stecke eine Kampagne. Bei den spanischen Konkurrenz-Airlines Iberia und Vueling gebe es ähnliche viele Zwischenfälle. „Ryanair ist sicher“, bekräftigte er, die Maschinen erfüllten „vollständig die geltenden Sicherheits-Standards“. Ein Unternehmenssprecher ergänzte, dass die „vereinzelten“ unplanmäßigen Landungen nur signalisierten, dass die Sicherheit für Ryanair oberste Priorität habe. Man biete täglich mehr als 1500 Flüge an.

Weil einer der Pannenflüge in Weeze gestartet war, fordern die Grünen im Bundestag, das Thema auf die Tagesordnung des Verkehrsausschusses am Mittwoch nächster Woche zu setzen. „Sollte sich erweisen, dass Ryanair oder andere Billigfluglinien auf Kosten der Sicherheit sparen, muss dies umgehend Konsequenzen haben“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Stephan Kühn.

Zu viel sollten sich die Grünen nicht von dem Bericht versprechen. „Aus der jüngsten Vergangenheit sind uns bislang keine sicherheitsrelevanten Unregelmäßigkeiten bei Ryanair in Deutschland bekannt geworden“, sagte Cornelia Cramer vom Luftfahrt-Bundesamt (LBA), das für Kontrollen zuständig ist. „Die bislang bei Ryanair vom LBA im Jahr 2012 durchgeführten unangemeldeten Stichprobenkontrollen blieben bis auf einen Fall, wo es nur geringfügige Beanstandungen gab, ohne Mängel“, sagte Cramer. Auch bei der Deutschen Flugsicherung sei Ryanair bisher nicht negativ aufgefallen, sagte eine DFS-Sprecherin dieser Zeitung.

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