Panzerbauer vor Fusion : Der Leo wird französisch

Den Waffenherstellern machen die schmalen Wehr-Etats zu schaffen. Das kostet die Deutschen Einfluss: Bei Krauss-Maffei Wegmann wird nach der Fusion mit dem Nexter-Konzern wohl Paris den Ton angeben.

Martin Murphy, Markus Fasse
Ungetüm aus Deutschland. Krauss-Maffei Wegmann produziert den Panzer Leopard 2 gemeinsam mit Rheinmetall.
Ungetüm aus Deutschland. Krauss-Maffei Wegmann produziert den Panzer Leopard 2 gemeinsam mit Rheinmetall.Foto: dpa

Deutschland wird sich wohl von einem großen Namen der Waffentechnologie verabschieden müssen. Bei der geplanten Fusion von Krauss-Maffei Wegmann (KMW) mit dem französischen Konkurrenten Nexter wird die neue Gesellschaft mittelfristig unter die Fittiche der Regierung in Paris kommen, wie es am Mittwoch in Branchenkreisen hieß.

Das neue Unternehmen soll zwar je zur Hälfte dem französischen Staat und der KMW-Eignerfamilie Bode gehören. Frankreich hat sich jedoch Sonderrechte einräumen lassen, heißt es in Pariser Regierungskreisen. KMW schweigt dazu. Mit der Fusion wollen KMW und Nexter künftig gemeinsam Militärfahrzeuge entwickeln. Da KMW kaum Mittel dafür habe, würden diese von der französischen Regierung finanziert, heißt es in der Branche, womit sich das Gewicht weiter zulasten der Deutschen verschieben werde.

Damit setzt sich ein Branchentrend fort: Unter dem Druck massiver Einsparungen in den Militäretats suchen die Unternehmen Partner mit politischem Rückhalt. Den bietet vor allem Frankreich. In Deutschland hingegen steht der militärische Flugzeugbau vor dem Aus: Weil die Bundeswehr ihre Abnahmeverpflichtung nicht einhält und den Export des Eurofighters nicht stützt, wird 2017 wohl der letzte Kampfjet in Manching bei Ingolstadt gebaut.

Ähnliches droht nun KMW. Teile der Bundesregierung fürchten eine Dominanz der Franzosen, hieß es in der Branche. Im Wirtschaftsministerium gebe es aber auch Vertreter, die offen für den Zusammenschluss seien. Ohne den Bund wird KMW den Deal nicht machen können. Steigen Ausländer mit mehr als 25 Prozent im deutschen Rüstungssektor ein, muss die Regierung zustimmen.

Vor allem KMW hatte sich jahrelang bemüht, eigenständig zu bleiben. Vor drei Jahren kaufte die Eigentümerfamilie Bode sogar den 49-prozentigen Siemens-Anteil. Doch der Plan, das Geschäft zu internationalisieren, schlug fehl. Ein Großauftrag aus Saudi-Arabien über 270 Leopard-Panzer scheiterte an Bedenken des Bundes. KMW liefert zwar 62 Stück an Katar, doch die neue Bundesregierung will derlei Geschäfte stoppen.

Damit leert sich das Auftragsbuch von KMW. Laut Branchenkreisen liegt der Jahresumsatz heute weit unter einer Milliarde Euro, 2008 waren es noch 1,4 Milliarden. Die Unternehmen wollen nun die Bücher prüfen. Im Frühjahr 2015 soll Nexter-KMW dann starten. Denkbar ist aber auch eine neue Wendung: Gerade mit Blick auf Bedenken des Kanzleramtes könnte KMW auch mit anderen verhandeln. Erste Wahl wäre wohl Rheinmetall, die bereits mit KMW bei vielen Produkten kooperieren.

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