Wirtschaft : Paralympics auch für die Wirtschaft

Spitzensport mit Behinderten bietet den Firmen ein gutes Werbeumfeld

Annette Kögel

Athen - Auf die Zeitungsanzeige muss man zweimal schauen. Der Leichtathlet, der in den Startblöcken wartet, hat eine Beinprothese aus Stahl und Carbon. Die Anzeige wurde von der Bayer AG geschaltet, die den Läufer und Medaillengewinner Heinrich Popow sponsert. Denn Spitzensport von Menschen mit Handicap wird auch in Deutschland als Werbeumfeld immer wichtiger. Der Chemiekonzern ist einer der Hauptsponsoren des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) – und auf Banden und Bannern, Trikots und Trailern sowie in Fernsehberichten über die Paralympischen Spiele allgegenwärtig. „Das Interesse der Wirtschaft ist da“, sagt Thomas Rugo von einer Bonner PR- Agentur, die die Paralympics für den DBS vermarkten. Einer Marktforschungsstudie zufolge haben die „Paralympics ein positives Image in der Bevölkerung“.

Es hat also seinen guten Grund, dass die Hauptsponsoren, zu denen auch die Deutsche Bahn gehört, jedes Jahr 500000 Euro zahlen. Zudem werden Sachleistungen im Umfang von etwa 250000 Euro erbracht. So ermöglicht beispielsweise das Internetunternehmen www.web.de den aktuellen Paralympics- Auftritt des deutschen Teams. Der Orthopäde Otto Bock hat seine finanzielle Hilfe gerade wieder zugesichert.

Zum deutschen Hauptsponsorenteam gehört auch Aral. Das Unternehmen hat 2003 nach amerikanischer Fundraising-Tradition erstmals den „Aral Charity Walk“ veranstaltet – 350 behinderte und nicht-behinderte Breitensportler liefen auf zwei Routen von Köln nach Berlin. Für jeden Kilometer gab Aral zehn Euro für den Behindertensport. „Das Kompetenzfeld des Unternehmens ist die Mobilität“, beschreibt eine Aral-Sprecherin die Motive des Sponsorings.

Die deutschen Leistungssportler mit Handicap brauchen Geld. 1,5 Millionen Euro betrug der Etat aus dem Bundesinnenministerium für den DBS im Jahr 2004, nächstes Jahr werden die Mittel gekürzt. Rund 1,25 Millionen hat sich die Bundesrepublik die Teilnahme an den Paralympics in Athen kosten lassen: Vorbereitung, Kleidung, Flüge. „Mit diesen Summen liegen wir deutlich unter den Etats anderer Länder“, sagt der Leichtathletik-Trainer der Deutschen in Athen, Rainer Otto. „Die Briten haben allein für ihre Schwimmer rund drei Millionen Euro im Jahr zur Verfügung, die Australier für ihre Radfahrer eine Million.“ Trainingsaufwand und Umfang sind bei den Sportlern mittlerweile so intensiv wie bei den nichtbehinderten Olympioniken – und doch engagieren sich die meisten Trainer, Betreuer und Sportler in der Nationalmannschaft ehrenamtlich.

Anlässlich der von den Medien auch in Deutschland äußerst liebevoll und umfangreich behandelten Paralympics rechnet nun auch Gerda Pleitgen, beim Förderkreis des DBS zuständig für die Akquise von Neu-Förderern, „nach den Spielen mit steigendem Interesse“. Sprintstar Heinrich Popow braucht man die Stimmung der Spiele und das, was sie auch für die Anerkennung von Leistungen bedeuten, nicht mehr näher zu bringen. Der amputierte ehemalige Fußballprofi Popow war im Paralympics-Fieber und holte Medaillen. Für Bayer – und natürlich zuallererst für sich selbst.

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