Wirtschaft : Paris macht Zugeständnisse an Dasa und BAe

PARIS/MÜNCHEN/LONDON .In den Konflikt um die Neugestaltung der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie ist Bewegung gekommen.Frankreich erklärte sich am Montag zu Zugeständnissen an die Dasa und British Aerospace (BAe) bereit, um einen Dreierbund der beiden Luft- und Raumfahrtkonzerne mit der französischen Aerospatial zu ermöglichen.Die Verhandlungen der Dasa mit BAe über einen Zusammenschluß ohne die Franzosen gerieten dagegen nach Informationen aus Großbritannien wegen des Interesses des britischen GEC-Konzerns an einem Zusammengehen mit BAe ins Stocken.

Erstmals erklärte am Montag ein Pariser Minister die Bereitschaft, den Staatsanteil an der Aerospatiale SA (Paris) zu verringern."Bei Vorliegen eines echten Industrieprojektes, das einen europäischen Pol um BAe, Dasa und Aerospatiale-Matra schaffen würde, wäre der Staat auch zur Überprüfung des Ausmaßes seiner Beteiligung bereit", sagte der Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss-Kahn der Wirtschaftszeitung "Les Echos".Der Aerospatiale-Chef Yves Michot erklärte, daß eine Fusion von Dasa und BAe unter Ausschluß der Aerospatiale das Gleichgewicht der Kräfte empfindlich stören würde.

Die DaimlerChrysler Aerospace AG (Dasa, München) erklärte am Montag, die Fusionsverhandlungen mit der British Aerospace Plc (BAe, London) liefen "immer noch, bisher aber ohne Ergebnisse".Der Elektronik- und Rüstungskonzern General Electric Company (GEC) bestätigte, er führe "intensive Verhandlungen mit einer Reihe größerer Mitglieder der internationalen Rüstungsindustrie".

Die Eingliederung seiner Rüstungssparte Marconi Electronics Systems in größere Konzernverbünde müsse aber den Unternehmenswert erhöhen und sicherstellen, daß die GEC-Aktionäre daran teilhaben könnten.Der französische Staat hält fast alle Anteile an Aerospatiale.Nach der eingeleiteten Fusion des Konzerns mit der Lagardere-Tochter Matra-Haute Technologie sowie der Übertragung staatlicher Anteile am Flugzeughersteller Dassault-Aviation würde der Staatsanteil auf 45 bis 48 Prozent sinken.Im Falle einer Fusion mit Dasa und BAe ging der Staatsanteil auf 15 Prozent zurück.Dies ist den Deutschen und Briten aber noch zu viel, weswegen sie einen Alleingang erwogen.

Aus Unternehmenskreisen verlautete, die Gespräche Dasa-BAe hakten an der Frage der Mitspracherechte der Dasa im geplanten Konzern.Der Dasa-Vorstandschef Manfred Bischoff hat eine angemessene Führungsbeteiligung der deutschen Seite für unabdingbar erklärt.Bei einer vorherigen Fusion von BAe mit Marconi wäre die britische Seite im deutsch-britischen Zusammenschluß deutlich dominierend.

Britische Medien hatten Sonntag gemeldet, GEC wolle entweder anstelle der Dasa mit BAe fusionieren oder dritter Partner der Fusion werden.Marconi mit einem Marktwert von etwa acht Mrd.Pfund (24 Mrd.DM) und BAe mit einem Wert von 8,8 Mrd.Pfund könnten ein Gemeinschaftsunternehmen bilden.Komme dies nicht zustande, wolle GEC in den USA bei Northrop Grumman oder Lockheed Martin vorfühlen.

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