Wirtschaft : Paris möchte bei EADS noch stärker mitreden Auch Spanien will mehr Einfluss bei Airbus-Mutter

Juliane Schäuble

Berlin - Nach dem Einstieg von Bund und Ländern bei der Airbus-Mutter EADS beabsichtigen offenbar auch Frankreich und Spanien, ihren Einfluss bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern zu erhöhen. Frankreich wolle staatliche Banken überzeugen, EADS-Anteile von dem französischen Medienkonzern Lagardère zu übernehmen, berichtet die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf französische Unternehmenskreise. Schon jetzt hält der französische Staat 15 Prozent an EADS.

Ein deutsches Investorenkonsortium aus Banken und öffentlicher Hand hatte vor wenigen Tagen 7,5 Prozent der EADS-Aktien von Daimler-Chrysler übernommen. Damit sollte das deutsch-französische Gleichgewicht bei dem europäischen Flugzeugbauer gewahrt werden.

„Mit einer weiteren Beteiligung kann Frankreich seine Vormachtstellung bei EADS zementieren“, sagte Luftfahrtexperte Andreas Knorr von der Verwaltungshochschule Speyer dem Tagesspiegel. Lagardère hält zurzeit 7,5 Prozent an EADS, der Anteil ist mit der Beteiligung Frankreichs in der Holding Sogeade gebündelt.

Schon länger wird spekuliert, auch die spanische Regierung wolle ihre Beteiligung bei EADS auf zehn Prozent aufstocken. Konkrete Kaufpläne gebe es derzeit jedoch nicht, dementierte ein Regierungssprecher am Freitag in Madrid anderslautende Berichte. Das Land hält über eine Staatsholding 5,5 Prozent an EADS. „Spanien will langfristig seinen Anteil erhöhen, um die eigene Produktion zu sichern“, sagte Stefan Maichl, Luftfahrtanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg.

Auch die Citibank kauft derzeit laut „Wirtschaftswoche“ für Dritte Aktien in großem Stil auf. Insider vermuteten dahinter Russen oder Chinesen. Neben den französischen, spanischen und deutschen Anteilseignern ist die staatliche russische Vneshtorgbank (VTB) mit rund fünf Prozent an EADS beteiligt. Ein russisches Interesse hält Knorr für durchaus plausibel. In den nächsten Jahren müssten dort viele Maschinen erneuert werden. „Da wollen die Russen mehr Mitsprache in diesem großen, politischen Markt.“

Die Bundesregierung reagierte gelassen. Er habe von diesen Überlegungen keine eigene Kenntnis, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Er verwies aber auf den Aktionärspakt bei EADS. „Alle Änderungen an diesem Aktionärspakt, in dem die deutsch-französische Balance verankert ist, sind nur im Einvernehmen aller Beteiligten möglich.“ Einseitige Änderungen seien ausgeschlossen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatschef Jacques Chirac hätten sich zudem zur deutsch-französischen Balance bekannt.

Im Ringen um die Zukunft der angeschlagenen EADS- Tochter Airbus gibt es Befürchtungen, die Sanierung könnte zu Lasten Deutschlands gehen. Um zu verhindern, dass heimische Standorte benachteiligt werden, schaltete sich in den letzten Tagen vielerorts die Politik ein. So traf sich Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in dieser Woche mit den EADS-Co-Chefs Louis Gallois und Thomas Enders. Glos wollte sich über das milliardenschwere Sanierungsprogramm „Power 8“ informieren – bevor EADS Einzelheiten dazu am Dienstag bekannt gibt.

Bei dem Treffen wurde Glos laut „Financial Times Deutschland“ von seinem Staatssekretär Peter Hintze (CDU) begleitet. Regierungskreisen zufolge soll Hintze Regierungskoordinator für Luft- und Raumfahrt werden – und damit in den anstehenden Verhandlungen eine wichtige Rolle einnehmen. Ein Sprecher wollte das nicht bestätigen, verwies aber darauf, dass das Bundeskabinett darüber bald entscheiden werde. Der Posten ist seit dem Start der großen Koalition vor mehr als einem Jahr vakant. Glos hatte eigentlich seine Parlamentarische Staatssekretärin Dagmar Wöhrl (CSU) benennen wollen. Dagegen gab es Einwände, da sie mit dem Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl verheiratet ist.

Mehr zur Zukunft von Airbus lesen Sie im Tagesspiegel am Sonntag

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