Pariser Luftfahrtschau : "Wir haben Hunger auf Flugzeuge"

Milliardenauftrag für Airbus und Optimismus beim Konkurrenten Boeing: Die Hoffnung auf ein Ende der schwersten Luftfahrtkrise aller Zeiten hat die Stimmung auf der Pariser Flugmesse gleich zu Beginn am Montag gehoben.

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Hoch hinaus. Der Flughafen Katar wird ausgebaut und die Luftfahrtgesellschaft will mit neuen Maschinen expandieren. Foto: dpa

Paris - Qatar Airways gab den Kauf von 24 Airbus-Jets für 1,9 Milliarden Dollar bekannt und kündigte eine massive Erweiterung seiner Flotte an. „Wir haben großen Hunger auf Flugzeuge“, sagte Qatar-Chef Akbar Al Baker. Der Flughafen von Katar werde bis 2011 ausgebaut.

In den ersten fünf Monaten 2009 hatten die großen Flugzeugbauer kaum mehr Bestellungen hereingeholt, als sie über Stornierungen wieder verloren. Allerdings ist die Produktion von Airbus und Boeing auf ein halbes Jahrzehnt ausgebucht und für 2010 und 2011 sogar noch überbucht. Wenn die Nachfrage wie erwartet in der zweiten Jahreshälfte 2010 anziehe, komme man ohne Kürzungen der Produktion aus, erklärte Boeing. Der US-Konzern, der zum Jahresanfang den Abbau von 10 000 Stellen angekündigt hatte, hat bereits die Fertigung der B-777 von sieben auf fünf im Monat verringert. Auch Airbus tritt auf die Produktionsbremse. Airbus-Chef Thomas Enders erwartet 2011 einen Rückgang der Auslieferungen um 15 bis 25 Prozent.

Der Chef der Boeing-Verkehrsflugzeugsparte, Scott Carson, äußerte die Erwartung, dass sich die Finanzmärkte in der zweiten Hälfte 2010 normalisierten. „Es gibt Grund zur Hoffnung.“ In den nächsten 20 Jahren würden 29 000 Flugzeuge im Wert von 3,2 Billionen Dollar benötigt. Derzeit schlage die Krise auf manche Kunden noch voll durch. „40 bis 50 Prozent Einbruch ist für viele Frachtflieger normal. Doch das scheint auszulaufen.“ Eine leichte Erholung im Frachtbereich könnte „schon dieses Jahr, sicherlich 2010“ einsetzen. Die Prognose für den Passagierverkehr sei schwieriger.

Ob sich Boeing und Airbus den Markt langfristig so teilen können wie bisher, ist indes zweifelhaft. Hersteller aus China, Japan oder Russland drängen mit Macht auf den Markt. „Airbus wird ein harter Wettbewerber bleiben. Doch von unten kommen fünf neue Wettbewerber im Bereich der Mittelstreckenflugzeuge dazu“, sagte Carson. Auf der Messe zeigt Suchoj sein Verkehrsflugzeug Superjet 100 – die erste komplett neue russische Passagiermaschine seit Jahrzehnten, die in Kooperation mit Boeing sowie europäischen Unternehmen entwickelt wurde.

Neue Aufträge erwartet Boeing, wenn sein Langstreckenflieger 787 „Dreamliner“ sich bewährt hat. Der erste Flug werde noch im Juni stattfinden, sagte Carson. 2010 sollen die ersten 787 an die japanische All Nippon Airways gehen. Das Flugzeug ist mit rund 860 Aufträgen vor dem Erstflug das erfolgreichste Modell der Boeing-Geschichte. Die 787 ist knapp zwei Jahre hinter dem Zeitplan. Auch Airbus hatte Probleme, das Konkurrenzmodell A 350 auf den Weg zu bringen. Es soll nun 2013 fertig sein.

Gedulden muss sich der Airbus-Konzern EADS beim erhofften Jahrhundertauftrag der USA für 179 Tankflugzeuge im Wert von 35 Milliarden Dollar. EADS bietet gemeinsam mit Northrop Grumman den Tanker KC-45 auf der Basis des Mehrzwecktankers MRTT an, der vom Airbus A 330 abgeleitet ist. „Der Auftrag könnte vielleicht im März 2010 vergeben werden“, sagte Paul Meyer von Northrop Grumman. Die US Air Force will 534 Tanker ersetzen. Das erste Los von 179 Maschinen teilt sich in einen Festauftrag über 68 Maschinen im Wert von zwölf Milliarden Dollar sowie 111 Flugzeuge, die je nach künftigen Haushaltsvorgaben geliefert werden sollen. Bei einer möglichen Aufteilung des Auftrages auf Boeings KC-767 und die KC-45 hofft Northrop Grumman/EADS auf ein Verhältnis von 60 zu 40 zugunsten des Airbus-Tankers. „Ohne eine Mindestanzahl von 90 bis 100 Flugzeugen lohnt sich die Investition nicht“, sagte Meyer. dpa

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