PARKETT Geflüster : Angriff in der ersten Runde

Der Prozess gegen den ehemaligen BayernLB-Vorstand Gribkowsky bringt Licht in die dunkle Welt der Formel 1

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Sonnenschein. So nennt der lächelnde Angeklagte Gerhard Gribkowsky eine Privatstiftung, in die hohe Millionenbeträge eingezahlt worden sind. Foto: dpa
Sonnenschein. So nennt der lächelnde Angeklagte Gerhard Gribkowsky eine Privatstiftung, in die hohe Millionenbeträge eingezahlt...Foto: dpa

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Er ist deutlich schlanker geworden als auf den Fotos, die ihn gemeinsam mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone an der Rennpiste zeigen. Tadellos gekleidet, sogar mit Einstecktuch, sieht der Ex-Bankmanager Gerhard Gribkowsky so aus, als würde er nach dem Prozessauftakt gleich vom Gerichtssaal an seinen einstigen Schreibtisch bei der BayernLB eilen. Dabei wird der 53-Jährige noch länger im Gefängnis München-Stadelheim zubringen müssen, wo er seit 5. Januar dieses Jahres in Untersuchungshaft sitzt.

Die Staatsanwaltschaft am Landgericht München wirft dem einstigen Vorstandsmitglied der landeseigenen Bank vor, 2006 und 2007 insgesamt knapp 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld von Ecclestone und einem seiner Vertrauten erhalten zu haben. Gribkowsky war zuständig für die Formel-1-Anteile, die dem Institut im Jahr 2002 zugefallen waren, als die Gruppe des Medienunternehmers Leo Kirch Konkurs anmelden musste.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hatte Gribkowsky zuerst hochfliegende Pläne in der schillernden Welt des Motorsports geschmiedet. Er habe die Bayern-LB verlassen und sich ein neues berufliches Leben aufbauen wollen – gar als „Nachfolger von Ecclestone“. Als der Brite auf seine Ideen nicht einging, soll Gribkowsky diesen mit dessen Steuervergehen quasi erpresst haben – Ecclestone soll deshalb intensiv nach einem Investor gesucht haben, der die BayernLB-Anteile an der Formel 1 kauft. Gribkowsky brachte den britischen Finanzinvestor CVC ins Spiel, was Ecclestone offenbar für eine charmante Lösung hielt, da er so Formel-1-Chef würde bleiben können. Gribkowsky fädelte den Verkauf ein – allerdings verlangte er von Ecclestone, so die Anklage, 50 Millionen Dollar, die in einen „Beratervertrag“ gekleidet werden sollten. Das Geld floss über Briefkastenfirmen an die „Privatstiftung Sonnenschein“, die Gribkowsky in Salzburg gegründet hatte.

Doch Ecclestone bekam sein Geld zurück, wie die Anklage beweisen möchte – und zwar von der BayernLB selbst. Gribkowsky soll Verträge aufgesetzt haben, laut denen der Formel-1-Mann eine „Vermittlungs- und Beratungsprovision“ erhielt. Der BayernLB sei so ein Schaden von 66 Millionen Dollar entstanden. Gribkowsky wird der Bestechlichkeit und der Untreue in einem besonders schweren Fall beschuldigt. Laut einer Gerichtssprecherin ist eine Höchststrafe von 15 Jahren Gefängnis möglich.

Gribkowskys Anwälte zeigen sich schon zum Auftakt rege und konfrontativ. So unterstellen sie den Richtern, „im Lager der BayernLB“ zu stehen. Der Kölner Strafverteidiger Rainer Brüssow spricht von einer „Hetzjagd“ der Medien gegen Gribkowsky mit Bezeichnungen wie „Gier-Banker“. Und die Staatsanwaltschaft bewerte die Ermittlungsergebnisse „einseitig und befangen“.

Nun ist klar, in welche Richtung die Verteidigung strebt: Man habe „verbissen“ nach einem Beweis dafür gesucht, erklärte Brüssow, dass die Formel-1-Anteile zu billig verkauft worden seien – um damit die Bestechung zu begründen. Diesen Beweis könne die Anklage aber nicht liefern. Vielmehr habe es auch nicht im Entferntesten ein anderes Angebot gegeben, das so gut wie das von CVC gewesen sei. Letztlich wechselten die Anteile für 839 Millionen Euro den Besitzer.

Dieses Geld habe Gribkowsky durch sein „außerordentliches Verhandlungsgeschick“ für die BayernLB erwirtschaftet. Aufgrund von Gribkowskys Leistung seien die Anteile „vergoldet“ worden. Ob dieser Lobeshymnen auf den Angeklagten fragte ein Zuschauer im Gericht: „Wann erhält dieser Mann endlich den Bayerischen Verdienstorden?“

Doch wofür hat Gribkowsky dann die 44 Millionen bekommen? In einer Verhandlungspause sagte Verteidiger Brüssow, es bestehe kein Zusammenhang mit dem Verkauf der Anteile. Vielmehr habe Ecclestone den Bankmanager allgemein wegen dessen „Expertenwissen in Sachen Formel 1“ auf seine Seite ziehen wollen. Und er stellte einen Vergleich mit der Welt des Fußballs an. Das sei so wie bei Uli Hoeneß und dem FC Bayern München: Der kaufe die begabtesten Spieler auf und setze sie dann auf die Ersatzbank – nur damit sie nicht für einen anderen Club spielen.

In weiteren 25 Verhandlungstagen soll die glitzernd-verworrene Welt der Formel 1 durchleuchtet werden. Für den 9. oder 10. November ist Bernie Ecclestone geladen.

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