PARKETT Geflüster : Investor kauft Wohnungen in Berlin

Deutsche Wohnen gelingt Milliardendeal.

Eine Jugendliche in Australien hat zwei Räuber zu einem Überfall inspiriert, weil sie bei Facebook ein Bild der Ersparnisse ihrer Großmutter zeigte. Für ihren Raubüberfall wählten die Verbrecher aber das falsche Haus aus, nämlich das der Mutter. Sie erklärte den Räubern, die 17-Jährige wohne nicht mehr bei ihr. Trotzdem räumten die Langfinger einige Wertgegenstände ab. Wir lernen: Facebook bringt kein Glück. Und zweitens: Omas Spargroschen nicht bei Facebook zeigen – sondern Facebook-Aktien kaufen. Das Papier ist bald billig genug. mot

Berlin - Mit dem Kauf von rund 23 500 Wohnungen gelingt der Deutsche Wohnen als viertem Immobilienkonzern in diesem Jahr eine milliardenschwere Übernahme in Deutschland. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main erhielt von der britischen Bank Barclays den Zuschlag für ein Portfolio der Tochter Baubecon. Knapp 30 Prozent der Wohnungen liegen im Großraum Berlin, weitere knapp 40 Prozent im Großraum Hannover/Braunschweig/Magdeburg. Wie die Deutsche Wohnen am Pfingstmontag mitteilte, wächst der Bestand des Konzerns damit um fast 50 Prozent auf 73 500 Wohnungen.

Das Portfolio werde mit mehr als 1,2 Milliarden Euro bewertet, teilte die Deutsche Wohnen mit. Bezahlt werden solle der Zukauf mit eigenem und geliehenem Geld. Allerdings solle der Verschuldungsgrad mittelfristig weniger als 60 Prozent betragen.

Börsianer zeigten sich skeptisch: Die Aktie der Deutsche Wohnen verlor bei schwachem Feiertagshandel am Montag 1,8 Prozent. Der Kaufpreis sei recht hoch, sagte ein Händler. Auch die Titel der GSW gaben nach. Der Berliner Konkurrent hatte sich Finanzkreisen zufolge ebenfalls für das Portfolio interessiert. Schon vor Wochen hatte es geheißen, Barclays wolle die einst gewerkschaftseigenen Wohnungen der Baubecon loswerden. Der Bestand war Barclays Ende 2011 zugefallen, nachdem eine Finanzierung der vorherigen Eigentümer geplatzt war.

In ihrer Kernregion Berlin stockt die Deutsche Wohnen nun ihren Bestand um rund 6500 Wohnungen auf. Wie das Unternehmen mitteilte, liegen die Vertragsmiete des Portfolios der Baubecon bei rund 95 Millionen Euro, die durchschnittliche monatliche Vertragsmiete in den Kernregionen bei 5,40 Euro pro Quadratmeter und der Leerstand bei 2,7 Prozent.

Seit Jahresbeginn wurden bereits drei milliardenschwere Immobilienpakete in Deutschland verkauft. Zuerst veräußerte die Landesbank Baden-Württemberg gut 20 000 Wohnungen für 1,4 Milliarden Euro an die Augsburger Gesellschaft Patrizia Immobilien und Koinvestoren. Dann gab die BayernLB ihre ostdeutsche Tochter DKB Immobilien mit rund 25 000 Wohnungen für knapp eine Milliarde inklusive Schulden an die Hamburger Immobiliengesellschaft TAG ab. Zuletzt übernahm der Finanzinvestor Cerberus für rund eine Milliarde Euro 22 000 Wohnungen der insolventen Gesellschaft Speymill Deutsche Immobilien. vis/rtr

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