Parkhaus-Test : Schöner parken Unter den Linden

Der ADAC hat bundesweit 50 Parkhäuser getestet. Zu den besten Großgaragen gehört immerhin eine Berliner. Negativ fällt dagegen das Park Inn am Alex auf.

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Berlin - Dunkel, eng und unübersichtlich, also kein Ort, an dem man sich gerne aufhält. Doch den Autofahrer schreckt das nicht ab. Er ist vielmehr „leidensfähig“, wie der ADAC festgestellt hat, und nutzt gerne ein Parkhaus in der Nähe – „egal, welche Defizite es hat“. Und die hat es durchaus. Der Autofahrerclub hat 50 Parkhäuser in zehn Städten getestet, ein Viertel davon fiel durch, 21 schnitten mittelmäßig ab, nur vier bekamen die Note „sehr gut“. Zu den besten Großgaragen gehört immerhin eine Berliner, und zwar die noch relativ neue Anlage unter dem Bebelplatz an der Staatsoper.

Diese Tiefgarage mit 463 Plätzen ist „sehr sauber“, die Parkebenen sind übersichtlich und an den eigentlichen Stellplätzen stören keine Pfeiler. Für Frauen und Behinderte gibt es extra Plätze gegenüber dem Parkwächter-Büro, man kann bargeldlos zahlen und die Toiletten sind kostenlos nutzbar und mit Wickeltisch ausgerüstet. Die gute Qualität hat ihren Preis, eine Stunde unterm Bebelplatz kostet drei Euro. Ein „gut“ gab es in Berlin für die Parkhäuser am Hauptbahnhof und am Los-Angeles-Platz in Charlottenburg. Das ziemlich neue und mit 1590 Stellplätzen sehr große Alexa am Alex ging nur mit „befriedigend“ aus dem Test. Negativ wirkten sich hier unter anderem „häufig wechselnde Richtungspfeile, steile Auffahrtsrampe, Ausfahrt über Fuß-/Radweg und die Zahlung nur im Stundentakt“ aus.

Doch das Alexa ist geradezu ein Wohlfühlort im Vergleich mit dem nebenan gelegenen Park Inn. Hier ist die Einfahrtshöhe mit 1,70 Meter sehr gering, der Beton bröckelt von den Wänden, es gibt keine Überwachung der Stellplätze und an manchen Stellen hängen die Decken so niedrig, dass die „Gefahr von Lackschäden“ besteht. Unterm Strich steht dann die Note „sehr mangelhaft“ für das vergleichsweise kleine Haus mit 164 Parkplätzen. Vom Park Inn war dazu am Donnerstag keine Stellungnahme zu bekommen. Auch nicht zu den weiteren Plänen mit der maroden Anlage, denn am heutigen Freitag wird die neue Tiefgarage direkt vor dem Hotel mit rund 600 Plätzen eröffnet; Preis pro Stunde: zwei Euro.

Bei dem ADAC-Test, den die Berliner Gesellschaft für innovative Verkehrstechnologien (GIVT) im Auftrag des Autoclubs durchführte, wurde der Preis, also die Parkgebühr, mit zehn Prozent gewichtet. Am schwersten wog die Sicherheit mit einem Anteil von 40 Prozent, vor den Kategorien Befahrbarkeit (30 Prozent) und Benutzerfreundlichkeit (20 Prozent). Im besten Parkhaus, dem Oberanger in München, wird dem ADAC zufolge „Sicherheit großgeschrieben“, indem alle sensiblen Bereiche per Video überwacht und alle Fahrzeugkennzeichen bei der Ein- und Ausfahrt erfasst werden.

Offenkundig schrecken diese Instrumente Spitzbuben und Bösewichte ab, denn allzu viel passiert nicht in den Parkhäusern. „Der Ruf ist schlechter als die Wirklichkeit“, sagte Ilja Irmscher, Chef der GIVT, auf Anfrage. „Kriminalität im Parkhaus spielt sich mehr im Film ab.“ Das zeitgemäße Parkhaus zeichnet sich Irmscher zufolge durch die schräge Aufstellung der Autos aus: ohne großes Rangieren kann man dann rein- und rausfahren.

In Deutschland gibt es gut 200 Betreiber von Parkhäusern, darunter ein Dutzend große, die 60 Prozent aller Häuser bewirtschaften. Zwar lässt sich allgemein sagen, dass vom Alter des Hauses häufig die Qualität abhängt. Doch mit einem hellen Anstrich und einer verbesserten Beleuchtung könne man auch in alten Garagen Verbesserungen erreichen, meint der ADAC. Das Durchschnittsalter der getesteten Häuser liegt übrigens bei 21 Jahren – und in der Zeit hat sich einiges verändert. Zum Beispiel die Autos, die immer breiter geworden sind. Ein 7er BMW etwa misst inzwischen 1,90 Meter – bei einer Stellplatzbreite von 2,30 Metern hat zumindest der beleibte BMW-Fahrer Probleme. Aber auch die vermeintlich kleinen Pkw haben sich verändert. Der erste VW-Golf, 1974 auf den Markt gekommen, war 1,61 Meter breit. Der aktuelle Golf VI kommt auf 1,79 Meter. Der ADAC plädiert alles in allem für eine „vernünftige Breite“ der Parkplätze von 2,50 Metern.

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