Wirtschaft : Parma kämpft am Buffet

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Von Bob Davis

Europa liebt Schweine, Parma liebt sie mehr. Die in Parma stationierten römischen Legionäre trugen mit Eberköpfen verzierte Schutzschilder. Den Eingang des Doms schmückt ein Relief eines geschlachteten Schweins. In der Nähe von Langhirano wird an einem Schweine-Museum gearbeitet.

Der Schweinehimmel für Schinkenhersteller? Weit gefehlt. Parmas Prosciuttai haben große Sorgen. Es gibt zweierlei Probleme. Die britische Supermarktkette Asda Stores hat ohne Erlaubnis von Parmas Konsortium der Schinkenhersteller angefangen, Parmaschinken zu schneiden und abzupacken. Bitterer noch: Ein regionaler Zusammenschluss von Schinken-, Nudeln- und Käseherstellern hat es bislang nicht geschafft, die Europäische Union (EU) davon zu überzeugen, Parma als Standort für eine neue Lebensmittel-Behörde auszuwählen. Favorit ist Helsinki, wo Hering als große Küche gilt. „Die Finnen wissen nicht einmal, was Prosciutto ist“, beschwerte sich der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi Ende letzten Jahres, als er den finnischen Standort kurzfristig verhinderte.

Die Parmaschinken-Hersteller kämpfen nicht nur damit, dass in der ganzen Welt fälschlicherweise Schinken unter dem n „Parma“ verkauft werden. Im Konflikt mit Asda geht es um ein ganz anderes Problem. Die EU hat für etwa 500 europäische Käse-, Gemüse- und Fleischprodukte Ursprungsbezeichnungen festgelegt, unter anderem für Parmaschinken und den Käse Parmigiano-Reggiano, der ebenfalls in Parma hergestellt wird. Diese Produkte dürfen nur in ihrer traditionellen Herkunftsregion hergestellt werden. 1997 begann die Asda, abgepackten Parmaschinken zu verkaufen, der von britischen Metzgern geschnitten worden war. Nach Ansicht des Konsortiums dürfen die Briten den Schinken zwar an den Theken der Feinkostläden schneiden; um die Echtheit des Schinkens zu garantieren habe aber nur das Konsortium das Recht, den Schinken industriell zu schneiden und abzupacken. Dieser Argumentation ist der Europäische Gerichtshof (EuGH) im April in einer Vorabentscheidung aber nicht gefolgt.

Jetzt müssen mächtige Verbündete her. Deshalb mobilisiert Parma alle Kräfte, um Standort der Lebensmittel-Behörde zu werden. Die Stadt hat versprochen, der Behörde einen ehemaligen Herzogspalast zur Verfügung zu stellen. Sie gibt Essen für die Presse und das Europäische Parlament in Brüssel und lädt Mitglieder des Parlaments nach Parma ein. „Da werden einem die Augen geöffnet“, sagt der schottische Abgeordnete Struan Stevenson. „Sie sehen im Essen, was andere in Gott sehen." Aber Parma erfährt erbitterten Widerstand aus Helsinki, das geltend macht, es verdiene eine EU-Behörde, weil Finnland eines der nur zwei Mitgliedstaaten sei, die bislang leer ausgegangen sind. Auf dem EU-Gipfel im vergangenen Dezember haben sich so viele Staaten hinter Finnland gestellt, dass Berlusconi von seinem Vetorecht Gebrauch machen musste. Seitdem hat Parma nichts unversucht gelassen: Es hat dem finnischen Premierminister einen Parmaschinken und ein Rad Parmigiano-Reggiano geschickt (keine Antwort von den Finnen) und die italienische Regierung davon überzeugt, ein Treffen der EU-Außenminister nach Parma zu verlegen. Veli-Pekka Talvela, Finnlands Leiter des Amtes für Landwirtschaft, meinte, es gehe nicht um guten Geschmack, sondern um Lebensmittelsicherheit.

„Auch wir lieben italienisches Essen, aber das Argument, es sei ihnen der Vorzug zu geben, weil sie das berühmtere Essen haben, ist irrational." Vor dem nächsten EU-Gipfel am 21. Juni in Sevilla scheinen die beiden Nationen festgefahren. Also haben sich die Prosciuttai eine neue Strategie ausgedacht und eine große Schinken- und Käseallianz zwischen Parmigiano-Reggiano und dem französischen Comte gebildet. Die Schinkenhersteller und die beiden Käsehersteller werben jetzt unter anderem in den USA mit dem Slogan: „Die drei Originale".

Auch um die Namensrechte am Parmesan tobt ein Streit zwischen den Käsereien in Italien und Deutschland. Der EuGH hat Ende letzten Jahres in einer Vorabentscheidung klargestellt, dass der Name „Parmesan“ in Europa für die Käsehersteller in Parma reserviert sein müsse, weil das Wort „Parmesan“ schlicht das französische Wort für „Parmigiano“ sei. Beides bedeutet „aus Parma". Die Firma Kraft sagt, sie habe in Deutschland den Namen ihres Käses bis zur endgültigen Entscheidung durch „Pamsello“ ersetzt. Überall sonst in Europa wird das Produkt aber weiterhin als „Parmesan“ verkauft. Paolo Tramelli vom Schinkenkonsortium unterstützt die örtlichen Käsehersteller: „Es ist, wie sie sagen, Raub."

Übersetzt und gekürzt von Christian Frobenius (Luxemburg), Gregor Hallmann (Arzneien), Matthias Petermann (Börsen), Svenja Weidenfeld (Parma), Karen Wientgen (Green Card),

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