Wirtschaft : Partner für Berlin gesucht

Favorit für die Führung der Wirtschaftsförderung springt ab

Alfons Frese

Berlin - Die Suche nach einem neuen Chef für die Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner ist schwieriger als erwartet. Der Favorit für den Posten, der Geschäftsführer der Adlershofer Wista- Management GmbH, Hardy Schmitz, hat zurückgezogen. Der Partner-Aufsichtsratschef Rolf Eckrodt braucht nun mehr Zeit für die Neubesetzung als ursprünglich gedacht. Anfang November war bekannt geworden, dass der jetzige Geschäftsführer, Roland Engels, im kommenden Frühjahr zur Gegenbauer–Gruppe geht. Damals hatte Eckrodt für die Suche eines Nachfolgers etwa einen Monat veranschlagt. Doch der bevorzugte Kandidat schreckte vor der Aufgabe zurück. Wie es heißt, habe Schmitz Befürchtungen gehabt hinsichtlich der Arbeitsbelastung. Da Eckrodt diese Sorgen nicht habe ausräumen können, habe sich Schmitz zurückgezogen.

Eckrodt wollte sich dazu am Montag auf Anfrage nicht äußern. Der Aufsichtsratschef wies vielmehr auf die Laufzeit von Engels Vertrag hin (31. März 2007). Deshalb gebe es keinen Zeitdruck. Immerhin habe er „sehr qualifizierte Kandidaten in der Pipeline“, sagte der frühere Daimler-Manager. Dem Vernehmen nach hatte Eckrodt ursprünglich eine 23 Namen umfassende Liste, die inzwischen deutlich zusammengeschrumpft ist. Nach Tagesspiegel-Informationen hat Eckrodt jetzt noch folgende Kandidaten: den Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung der Hansestadt Rostock, Michael Sturm, sowie die Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für das Land Sachsen-Anhalt, Bettina Quäschning. Beide waren am Montag zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen. Der dritte Kandidat, der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland, Michael Clausecker, meinte lediglich: „Ich sage nichts dazu.“

Anders als über Sturm und Quäschning sind aber bei Clausecker die wichtigsten Lebens- und Karrieredaten bekannt. Der 1966 in Stuttgart geborene Betriebswirt begann das Erwerbsleben bei der damaligen Daimler-Benz AG in Stuttgart, von wo er 1991 zur Treuhandanstalt nach Berlin wechselte. Zwei Jahre später übernahm er den Vorsitz in der Geschäftsführung der Waggonbau Niesky GmbH, einer Tochter der DWA Deutsche Waggonbau AG, die später in Bombardier aufging. 1999 wurde Clausecker Geschäftsgebietsleiter für Lokomotiven bei Siemens in Erlangen, seit Oktober 2001 führt er nun den Verband der Bahnindustrie in Berlin-Mitte. Da das Thema Bahntechnik in Berlin eine große Rolle spielt, würde Clausecker zumindest in dieser Hinsicht an die Spitze der Berlin Partner passen. Die landeseigene Gesellschaft war entstanden durch den Zusammenschluss der Wirtschaftsförderung Berlin mit den Partnern der Hauptstadtmarketing Gesellschaft. Derzeit beschäftigen die Partner rund 60 Mitarbeiter. Die Gesellschaft wirbt und unterstützt Investoren, die nach Berlin kommen wollen, und hilft Berliner Firmen bei der Erschließung von Auslandsmärkten. Ferner wird im Rahmen des Hauptstadtmarketings für Berlin geworben.

An die Spitze dieser Einrichtung haben sich viele den Wista-Manager Hardy Schmitz gewünscht, der seit März 2002 die Geschäfte der Adlershofer Gesellschaft erfolgreich führt. Der 55-jährige Diplom-Ingenieur arbeitete unter anderem für BMW, die Boston Consulting Group und Digital Equipment. Innerhalb der CompuNet-Gruppe gründete Schmidt Ende der 80er Jahre eine Firma, die er 1996 an General Electric verkaufte. Seitdem gilt er als finanziell unabhängig. Wie es in Wirtschaftskreisen heißt, schreckte Schmitz wegen der befürchteten Arbeitsbelastung und wegen seiner Ansicht nach struktureller und personeller Defizite bei den Partnern vor einem Wechsel zurück.

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