Partnerbörsen : ProSiebenSat1 kauft Parship und Elitepartner

Trotz Konkurrenz durch Tinder: Warum sich der Medienkonzern ProSiebenSat1 vom Kauf der Singlebörsen Parship und Elitepartner ein lukratives Geschäft verspricht.

Zwölf Millionen Menschen gehen im Netz auf Partnersuche. ProSiebenSat.1 verspricht sich vom Kauf der Singlebörsen Elitepartner und Parship deshalb ein lukratives Geschäft.
Zwölf Millionen Menschen gehen im Netz auf Partnersuche. ProSiebenSat.1 verspricht sich vom Kauf der Singlebörsen Elitepartner und...Foto: Sven Hoppe/dpa

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 steigt ins Geschäft mit der Online-Partnervermittlung ein und übernimmt die Parship Elite Group. Für 100 Millionen Euro kauft ProSiebenSat.1 50 Prozent der Anteile plus eine Aktie. Mit weiteren 100 Millionen Euro würden bestehende Finanzierungen von Parship Elite abgelöst, wie ProSiebenSat.1 am Montag in München mitteilte. Die bisherigen Eigentümer der beiden Single-Börsen, Oakley Capital Private Equity II und das aktuelle Management, bleiben an Bord und halten künftig zusammen knapp unter 50 Prozent. Die Kartellbehörden müssen den Kauf noch genehmigen.

Partnersuche im Netz ist heute selbstverständlich


Wie der Start in die gemeinsame Zukunft verläuft, bleibt für die Konzerne ohnehin erst einmal abzuwarten. Die Partnersuche im Netz ist zwar heute für viele Menschen schon so selbstverständlich wie ein Online-Einkauf, doch das Geschäft gilt als umkämpft.

Rund 2500 deutschsprachige Singlebörsen, Partnervermittlungen, Seitensprung-Portale und ähnliche Anbieter tummeln sich im Netz - das sorgt für harten Wettbewerb. In Bewegung kam die Branche zuletzt vor allem durch den Start der kostenlosen Dating-App Tinder, die wie Lovescout24 und Neu.de zum US-Konzern Match Group gehört.

ProSiebenSat1 ist auch am Sex-Shop Amorelie beteiligt


Parship und Elitepartner allerdings sehen sich davon nicht betroffen - die beiden Anbieter bedienen eine andere Klientel, nämlich Singles auf der Suche nach Lebenspartnern, nicht nach lockeren Flirts oder Dates. Rund 116 Millionen Euro Umsatz und 18 Millionen Euro Gewinn soll ihnen dieses Geschäft in diesem Jahr nach einer ProSiebenSat.1-Präsentation einbringen - ein willkommenes Zubrot für den Medienkonzern, der auf Dauer-Brautschau im Digitalgeschäft ist und dank der beiden Neuzugänge auch seine Umsatz- und Gewinnerwartungen für dieses Jahr anheben wird.

Künftig bringt es ProSiebenSat.1 damit auf acht Beteiligungen im Digitalgeschäft, darunter größere Fische wie das Vergleichsportal Verivox und der Online-Reiseanbieter Etraveli, aber auch die Online-Parfümerie Flaconi und der Internet-Sexshop Amorelie. Und es könnte noch Luft nach oben sein: Konzernchef Thomas Ebeling hatte erst kürzlich wissen lassen, dass die Kasse für Zukäufe mit bis zu einer halben Milliarde Euro gut gefüllt sei. Die Ankündigung eines neuen Deals galt deshalb nur als Frage der Zeit.

Zwölf Millionen Menschen auf Partnersuche im Netz


Mit Parship und Elitepartner verbinden ProSiebenSat.1 derweil schon längere Geschäftsbeziehungen: Beide Partnervermittlungen, die erst im vergangenen Jahr vom britischen Finanzinvestor Oakley Capital übernommen wurden und vorher zu Holtzbrinck und Burda gehörten, waren bereits in der Vergangenheit Werbekunden des TV-Konzerns. Auch für sie soll sich das Zusammengehen mit ProSiebenSat.1 rechnen, wie der Chef der Parship Elite Group, Tim Schiffers, deutlich macht: „Wir freuen uns, dass ProSiebenSat.1 uns künftig mit Know-How, Netzwerk und vor allem einer reichweitenstarken Zielgruppenansprache im TV unterstützt“, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung zu dem Deal.

Schätzungen zufolge sind fast zwölf Millionen Menschen regelmäßig im Internet unterwegs, um sich nach möglichen Liebes- oder Sexpartnern umzusehen. Nach den Boom-Zeiten bis etwa 2011 stagnierten die Umsätze der gesamten Branche in den vergangenen Jahren mehr oder weniger, und das bei teils hohen Werbeausgaben. Zuletzt ging es aber wieder etwas aufwärts - und das vor allem dank des guten Abschneidens der Partnervermittlungen, sagt Pamela Moucha vom Portal singleboersen-vergleich.de: Insgesamt habe die Branche 2015 wieder ein Umsatzplus von knapp vier Prozent auf fast 200 Millionen Euro geschafft. (dpa)

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