Partnervermittlung im Netz : Die Kündigung kann teuer werden

Partnervermittlungen machen ihren Kunden oft die Kündigung schwer. Ein Abschied kann mehrere hunderte Euro kosten - Verbraucherschützer sehen das kritisch.

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Liebe gefunden. Mehr als jeder Dritte hat online einen Partner kennengelernt.
Liebe gefunden. Mehr als jeder Dritte hat online einen Partner kennengelernt.Foto: imago/Westend61

Eine Reihe verschwommener Bilder und Selbstbeschreibungen möglicher Partnerinnen – das sah Enrico Schneider, als er sich im vergangenen Oktober auf dem Partnervermittlungsportal Parship anmeldete. „Darf ich Ihr Bild sehen?“, schrieb er den Frauen. Fünf Nachrichten verschickte er insgesamt – die Angesprochenen schalteten für ihn ihr Profilbild frei. Doch dem 46-Jährigen, der in Wirklichkeit anders heißt, war nicht wohl bei der Sache. Die Trennung von seiner Frau lag schließlich kaum ein Jahr zurück, seine zwei Kinder waren bei ihm eingezogen. Nach zwei Tagen kündigte er, um innerhalb der Widerrufsfrist die Jahresgebühr von knapp 400 Euro zurückerstattet zu bekommen. Die unschöne Überraschung: Für die bereits geknüpften Kontakte sollte er gut 200 Euro bezahlen.

Fallstricke in den Geschäftsbedingungen

Dieser sogenannte Wertersatz, den neben Parship auch die auf Akademiker spezialisierte Vermittlung Elitepartner verlangt, ist nicht der einzige Fallstrick in den Geschäftsbedingungen deutscher Partnervermittlungen und Single-Börsen im Netz. Die Anbieter machen es ihren Kunden so schwer wie möglich, aus den Verträgen wieder auszusteigen. „Um auf dem umkämpften Markt rentabel zu sein, sind die Anbieter auf jeden Kunden angewiesen“, sagt Bernd Storm van’s Gravesande. Er ist Gründer der Plattform Aboalarm, mit deren Hilfe Nutzer mit wenig Aufwand Verträge kündigen können, darunter etwa Mobilfunkverträge. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Plattform 50 000 Kündigungen allein im Bereich Online-Dating.

Das zeigt die Dimension des Marktes: Insgesamt waren laut einer Studie des IT–Branchenverbandes Bitkom  neun Millionen Deutsche schon einmal auf der Suche nach einem Partner im Internet. Der Umsatz der Dating-Portale im deutschsprachigen Internet lag 2013 je nach Quelle um die 200 Millionen Euro. „Das ist kein Nischenphänomen“, sagt Bitkom-Referent Tobias Arns.

Die Anbieter locken mit der kostenlosen Anmeldung

Bei vielen Plattformen ist zwar die Anmeldung kostenlos, will man dann aber Nachrichten austauschen und andere „Premium–Funktionen“ nutzen, muss man zahlen. „Zu diesem Zeitpunkt hat der Nutzer oft bereits eine Menge Angaben über sich gemacht und ein Persönlichkeitsprofil erstellen lassen“, sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg. Sie kritisiert, dass man den genauen Preis oftmals erst erfahre, wenn man die kostenpflichtigen Funktionen nutzen will. Zudem werden die Kunden oft mit Probe-Abonnements gelockt. „Wenn man diese nicht innerhalb weniger Tage kündigt, verlängern sie sich um mehrere Monate“, erklärt Storm van’s Gravesande.

Verbraucherschützerin Rehberg weiß beispielsweise von einem Angebot zu berichten, das für 15 Tage 2,90 Euro kostete. Versäumte der Nutzer es, zu kündigen, wurde aus dem Testzugang ein Abo über neun Monate. Kostenpunkt: 684 Euro. Weil die Anbieter diesen Mechanismus vor Vertragsabschluss nicht transparent genug machten, hat die Verbraucherzentrale Hamburg Single-Börsen wie KissNoFrog, Flirt-Fever und eDates abgemahnt.

Abos verlängern sich häufig automatisch

Die regulären Abos verlängern sich bei den meisten Anbietern ohnehin automatisch. Fristlos kündigen kann man nicht, obwohl das aus Sicht der Verbraucherschützer möglich sein sollte. Bei einigen Anbietern kann man sogar nur per Post und nicht per E-Mail kündigen. Dass die Anbieter Elitepartner oder Parship bei fristgerechtem Widerruf hohe Wertersatzforderungen für bereits erbrachte Leistungen stellen, sorgt immer wieder für Ärger. „Die Forderungen liegen in Höhe von bis zu 75 Prozent des ursprünglichen Vertragspreises. Das macht das Widerrufsrecht unattraktiv für den Verbraucher“, sagt Rehberg.

Die Verbraucherzentrale Hamburg führt Gerichtsverfahren gegen die beiden Anbieter, die sie in erster Instanz gewann. Enrico Schneider war ein Rechtsstreit zu aufwendig: Er hat sich nach etlichen E-Mails doch dazu entschieden, auf der Plattform zu bleiben – der Ausstieg hätte sich finanziell nicht gelohnt.

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