Wirtschaft : Party in der Luxusklasse (Kommentar)

Alfons Frese

Feiertage in der Autoindustrie: Am Montag erste Spatenstiche für ein neues Porsche-Werk in Leipzig, am Dienstag Baubeginn für die angeblich modernste Autofabrik am Opel-Sitz in Rüsselsheim. Deutschland baut seine Stellung als wichtigster Autostandort neben den USA und Japan aus. Die Stimmung in der wichtigsten deutschen Industriebranche hat vor kurzem der Präsident des Verbandes der Autoindustrie auf den Punkt gebracht: "Die Party geht weiter." Nach der Krise 1992/93 gehen die Hersteller ins siebte Boomjahr. Je länger die Party, desto schmerzhafter demnächst der Kater?

Die Branche gibt ein differenziertes Bild ab. Auf der einen Seite steht Porsche als derzeit profitabelster Autobauer der Welt; die Stuttgarter strotzen vor Selbstbewußtsein und gehen ziemlich locker das Abenteuer eines neuen Autos aus einer neuen Fabrik ein. Auf der anderen Seite steht der Massenhersteller Opel, seit Jahren mit Management- und Produkt-Problemen kämpfend und überhaupt nicht profitabel. Die Rüsselsheimer bauen die neue Fabrik nicht, um mehr Opel montieren zu können. Vielmehr geht es darum, mit deutlich weniger Mitarbeitern auszukommen: Für das Volumen, das heute noch mit 10 000 Leuten produziert wird, werden demnächst noch 6000 Mitarbeiter gebraucht. Das ist ein Produktivitätssprung, auf den insbesondere der Hauptkonkurrent VW reagieren muss. Denn große Absatzzuwächse kann auch VW nicht erwarten, die klassischen Märkte in Nordamerika, Japan und Westeuropa sind ziemlich gesättigt. Das kümmert Porsche wenig, in der Luxusnische lebt es sich prächtig. Insbesondere in den USA, dem wichtigsten Porsche-Markt ist kein Ende der Party in Sicht.

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