Wirtschaft : Passiv kühlen gegen die Abwärme

Besonders leise - und somit gut für Multimedia-PCs im Wohnzimmer oder Bürorechner geeignet - sind so genannte passive Kühlungen für Grafikkarten. (06.06.2005, 16:23 Uhr)

München - Wenn der Rechner rattert, pustet und pfeift, gibt es in der Regel drei mögliche Störquellen: die Lüfter von Prozessor, Netzteil und Grafikkarte. Zwar sollten diese Komponenten des Computers gut mit Frischluft versorgt werden. Das muss sich jedoch nicht anhören wie ein Staubsauger. «Einen Rechner, der Lärm macht, will man nicht», sagt Carsten Berger, Produktmanager beim Grafikkarten-Hersteller Sapphire in Dingolfing bei München.

Besonders leise - und somit gut für Multimedia-PCs im Wohnzimmer oder Bürorechner geeignet - sind so genannte passive Kühlungen für Grafikkarten. Das bedeute, dass kein Ventilator auf den Chips sitzt, der sich bewegt und damit Lärm macht, erklärt Sascha Faber von der in München erscheinenden Zeitschrift «PC Professionell». Als Regel gilt: Je kleiner ein Ventilator, um so schneller muss er drehen - also macht er auch mehr Lärm beim Abführen der heißen Luft.

Das Prinzip der passiven Kühlung ist anders: «Da führen gerippte Kühlkörper, so genannte Heatpipes, über die gesamte Grafikkarte», erklärt Kristina Mainzer vom Grafikkarten-Hersteller Gigabyte in Hamburg. In ihnen sitzt eine Flüssigkeit, die die Wärme aufnimmt und zumeist auf die Rückseite der Karte umleitet.

Zudem lasse man die bestehenden Kühler zusammen arbeiten, erläutert Faber. Die heiße Luft, die an den Karten entsteht, wird auf deren Rückseite geleitet, an der oft der CPU-Kühler schon ventiliert. «Oder der Netzteillüfter bläst die Rückseite an», sagt Berger. «Aber das Ganze macht natürlich nur Sinn, wenn der Computer groß genug ist und sich die Luft bewegen kann», sagt Faber.

Der Chiphersteller Intel bietet seinen Kunden seit einiger Zeit genaue Pläne an, die zeigen, wie man im Gehäuse genügend Platz für die Luftzirkulation schafft. «Man muss die einzelnen Komponenten so anordnen, dass sie bestmöglich gelüftet werden», erläutert Sprecher Hans-Jürgen Werner.

Sinnvoll ist der Einsatz von passiv gekühlten Grafikkarten zum Beispiel in Bürocomputern und dort, wo keine besonders hohen Grafikleistungen benötigt werden. «Schwieriger und teurer wird das bei Chips für leidenschaftliche Spieler», sagt Faber. Solche High-Tech-Grafikkarten erzeugen viel Wärme, die aus dem Rechnergehäuse geleitet werden muss. «Dafür braucht es dann doch meist Ventilatoren oder sogar Wasserkühlungen», sagt Faber.

Zudem sind Spielefans beim Daddeln weniger lärmempfindlich als Anwender, die den PC als Media-Center im Wohnzimmer stehen haben und ihn dort zum Beispiel als DVD-Player benutzen. Aber auch bei den High-End-Karten wird zunehmend die passive Kühlung angewandt.

Sapphire etwa nennt sein System «Liquid Metal Technology», und der Hersteller Gigabyte ist mit «SilentPipe»-Grafikkarten am Markt. «Der Vorteil der "Liquid Metal Technology" ist, dass sie 65 Mal besser thermisch leitet als Wasser und zusätzlich keine beweglichen Teile enthält», erläutert Berger. Das in der Kühlung enthaltene flüssige Metall sei weder giftig noch entflammbar.

Bei den «SilentPipe»-Grafikkarten arbeiten spezielle Heatpipes mit Kühlkörpern zusammen, die es auch bei maximaler Leistung ermöglichen sollen, leise zu lüften. «Das bedeutet kein Verzicht auf Leistung», betont Mainzer. Die Preise für die leisen Karten liegen im Einsteigersegment bei rund 100 bis 150 Euro. Bei den High-End-Karten sind die Grenzen nach oben offen.

«Die CPU und die Grafikkarten sollten allerdings immer die besten sein», sagt Berger. Besonders der Grafikchip ist technisch schnell überholt: «Der Zyklus ist mit vier bis fünf Monaten sehr kurz», sagt Berger. Allerdings gebe es zahlreiche Computer-Nutzer, die sich etwa einen Billig-PC kaufen und dazu bei den einzelnen Komponenten immer das Neueste einbauen.

Vor dem ausführlichen Basteln am heimischen PC allerdings warnt Sascha Faber von «PC Professionell» eindringlich: «Da muss man sich schon genau auskennen.» Beispielsweise müssten die einzelnen Komponenten miteinander sowie mit dem Gehäuse harmonieren. Notfalls helfen jedoch auch Artikel in Computerzeitschriften sowie entsprechende Foren im Internet. (Von Verena Wolff, dpa)

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