Wirtschaft : Patentfreie Medikamente werden billiger

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Frankfurt (Main) (shf/HB). Die Pharmaindustrie richtet sich auf deutlich sinkende Preise bei patentfreien Medikamenten ein. Auslöser ist die so genannte Aut-Idem-Regelung, die ab Juli für eine erste Gruppe von Medikamenten gelten soll.

Aut-Idem (siehe Lexikon) soll es Apothekern erlauben, das vom Arzt verordnete Medikament durch ein preiswerteres Präparat mit dem gleichen Wirkstoff zu ersetzen. Nur wenn das verschriebene Produkt bereits zum preiswertesten Drittel der Wirkstoffgruppe gehört, soll die Substitution unterbleiben.

Eine erste Liste mit rund 170 Wirkstoffen und Darreichungsformen, bei denen die Vorschrift gelten soll, hat das Gesundheitsministerium in der vorigen Woche publiziert. Sie umfasst nach Schätzung des Verbandes der forschenden Arzneimittelhersteller (VfA) etwa ein Fünftel des Marktvolumens, für das Aut-Idem in Frage kommt. Darunter sind zum Beispiel das Schmerzmittel Ibuprofen oder das Antibiotikum Amoxicillin. Das „untere Preisdrittel“ für diese Produkte wird bis zum 12. Juni errechnet. Danach haben die Hersteller wenige Tage Zeit, ihre Preise gegebenenfalls so anzupassen, dass sie auch dem unteren Drittel angehören.

In der Pharmabranche geht man inzwischen davon aus, dass bei den betroffenen Produkten die Preise auf breiter Front unter Druck geraten. Als erster großer Konzern hat vor kurzem Aventis angekündigt, die Preise von vier Medikamenten so zu senken, dass sie im unterem Drittel des Preisspektrums liegen werden. Andere Unternehmen wie Boehringer oder Bayer haben offiziell noch keine Entscheidung getroffen. Doch rechnet man beim VfA damit, dass weitere Firmen dem Beispiel Aventis folgen werden. „Die Unternehmen fürchten, dass die Ärzte von der Möglichkeit, die Substitution auszuschließen, wenig Gebrauch machen“, sagt VfA-Geschäftsführer Ulrich Vorderwülbecke. Der Marketingchef eines US-Konzerns verweist auf Schätzungen, wonach allenfalls ein Fünftel der Ärzte die Rezepte künftig so ausstellt, dass Apotheker nicht substituieren können. Für die großen forschenden Arzneimittelhersteller haben die älteren, patentfreien Medikamente zwar keine strategische Bedeutung mehr, sind aber als Umsatzbringer nach wie vor wertvoll. Immerhin wurden im vergangenen Jahr von knapp 18 Milliarden Euro Gesamtumsatz auf dem deutschen Pharmamarkt rund 7,6 Milliarden Euro mit patentfreien Wirkstoffen bestritten, also mit Mitteln, die durch Generikahersteller nachgeahmt werden dürfen. Davon wiederum entfällt nach Daten des Deutschen Generikaverbandes noch gut ein Drittel auf die Originalhersteller. Damit wird für diese Unternehmen theoretisch ein Geschäft von 2,8 Milliarden Euro von der Aut-Idem-Regelung bedroht. Der VfA fürchtet im Extremfall Einbußen von mehr als einer Milliarde Euro.

Aber auch die Generikabranche ist nicht zufrieden mit der Neuregelung. „Während bei den großen Pharmakonzernen letztlich nur ein Teil der Umsätze betroffen ist, sind es bei uns 100 Prozent des Geschäfts“, warnt Andreas Jäckel, Leiter des Bereichs Gesundheitspolitik beim Deutschen Generikaverband. Sorge bereitet ihm vor allem die Tatsache, dass das untere Preisdrittel alle drei Monate neu definiert werden soll.

Gehen auch die Originalhersteller mit den Preisen runter, errechnet sich in der nächsten Runde ein unteres Preisdrittel, das noch tiefer liegt. „Es wird sich ein Kellertreppen-Effekt ergeben, der von Quartal zu Quartal nach unten führt“, fürchtet Jäckel. Kleinere Generikaanbieter dürften dies auf Dauer kaum überstehen. Thomas Strüngmann, Chef des zweitgrößten deutschen Generikaherstellers Hexal, rechnet daher mit einer Konsolidierungswelle in der Branche.

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