Patentrecht : Berliner Firma klagt gegen Google

Der Onlinedienst Google Earth zeigt die Erde, wie sie sonst nur Astronauten sehen. Die technische Basis dafür soll vom Berliner Unternehmen Art+Com stammen.

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Anhand von Bildern aus Terravision (1996) und Google Earth (aktuell) will Art+Com den gemeinsamen Ursprung beider Programme belegen.
Anhand von Bildern aus Terravision (1996) und Google Earth (aktuell) will Art+Com den gemeinsamen Ursprung beider Programme...Foto: promo

Einen besonderen Blick auf die Welt – mithilfe von Satellitenbildern und Luftaufnahmen können Nutzer von Google Earth seit dem Jahr 2005 die Erde aus der Sicht von Astronauten betrachten. Die Technologie hinter der Anwendung stammt aus Berlin. Das jedenfalls behauptet die Designagentur Art+Com, die nun Klage gegen den US-Konzern eingereicht hat.

Patentverletzung lautet der Vorwurf. In der Klageschrift nennt die Berliner Firma die Namen mehrerer aktueller Google-Manager, die bereits Mitte der 1990er-Jahre über eine dritte Firma in die Entwicklung der Technologie Einblick bekommen haben sollen. Später hätten Google-Manager sogar angedeutet, dass man zu Zahlungen bereit sei, um Patente von Art+Com zu nutzen. Dazu sei es dann aber nie gekommen – die Konsequenz ist die nun eingereichte Klage.

Hohe Google-Manager sollen involviert sein

Google Earth weise bemerkenswerte Ähnlichkeiten zum so genannten Terravision-System von Art+Com auf, heißt es in einer englischsprachigen Erklärung, die die Berliner veröffentlicht haben. Wegen möglicher rechtlicher Konsequenzen wollte sich das Unternehmen auf Nachfrage des Tagesspiegels nicht weiter äußern. Eine Sprecherin verwies auf die am Donnerstag im US-Bundesstaat Delaware eingereichte Klage, wo Google seinen juristischen Sitz hat. Darin heißt es unter anderem, Google-Manager hätten wissentlich die Patentrechte verletzt.

Namentlich erwähnt sind in der Klageschrift Michael Jones, Technischer Leiter (CTO) von Google Earth, und Brian McClendon, ein hoher Manager beim Kartendienst Google Maps. Beide hätten in den 90er-Jahren bei einer Firma namens Silicon Graphics gearbeitet. In diesem Zusammenhang hätten sie Zugang zu Informationen über die mögliche kommerzielle Nutzung von Terravision gehabt.

Terravision ist eine vernetzte virtuelle Abbildung der Erde, die auf Satellitenbildern, Luftaufnahmen, Höhen- und Architekturdaten basiert, wie es in der Klageschrift heißt. Die von Art+Com entwickelte Technologie werde in der gesamten Google-Earth-Reihe eingesetzt.

Google schweigt angesichts der Klage. Man kommentiere laufende Verfahren nicht, sagte eine Sprecher des Internetkonzerns dem Tagesspiegel.

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