Wirtschaft : "Patentrezepte gibt es nicht"

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In vielen Betrieben steht der Generationswechsel an - Die Kammern leisten Hilfebir

Der Berliner Bauingenieur Klaus Warning sieht sich als "Glückspilz". Nur ein Viertel Jahr hat er gebraucht, um das Nachfolgeproblem in seinem Betrieb mit seinen 60 Mitarbeitern zu lösen. Nachdem er durch Zufall eine Annonce in einem Fachblatt gelesen hatte, verkaufte er kurzerhand das Bauunternehmen "Warning & Glamann" an einen großen Mittelständler. Heute heißt die Firma "Spitzke Hoch- und Ingenieurbau" und Warning arbeitet dort in leitender Position. "Auch wenn der Name verloren ging, so blieb doch das Geschäft und die Stellen erhalten", sagt er.

Doch selten läuft es so schnell und reibungslos wie im Fall Warning, wie ein von der Berliner Inustrie-und Handelskammer und der Handwerkskammer organisiertes Unternehmerforum zur Nachfolgeregelung deutlich machte. Im Normalfall müssten die Unternehmer mehrere Jahre für eine reibungslos Übergabe an Familienmitglieder, Mitarbeiter oder Außenstehende veranschlagen, so die Erfahrung der Unternehmensberaterin Carola Vogt aus Erftstadt. Tun sie es nicht, gefährdeten sie die Zukunft des Betriebes oder ihre Altersvorsorge.

Gerade kleine Unternehmen mit einem Umsatz von unter 250 000 Mark sind nach Untersuchungen des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn von der Stilllegung oder Zerschlagung besonders bedroht. Insgesamt steht in den nächsten fünf Jahren bei rund 380 000 Familienunternehmen die Nachfolgeregelung an. In Berlin wechselten 1998 und 1999 allein bei 4000 Unternehmen der Inhaber.

Schwierig wird es für viele Unternehmen vor allem deshalb, weil "viele Ziele unter einen Hut" gebracht werden müssen, so der Rechtsanwalt und Notar Hanns-William Mülsch von der Berliner Sozietät Oppenhoff & Rädler: Das Unternehmen soll bestehen bleiben, die Familie versorgt, die Erben gerecht behandelt und dann noch möglichst viel Steuern gespart werden. Ein schnelles "Patentrezept" könne es da nicht geben. Er rät deshalb den Betroffen, das Thema nicht erst im Alter von 70 Jahren anzugehen, sondern eher 20 Jahre früher.

Damit es kein Hauen und Stechen unter den Erben gibt und ein Unternehmen in Familienhand auch in der 5. Generation noch erfolgreich geführt werden kann, hält Wolfgang Bühler, Mitgesellschafter der Funk-Gruppe, den passenden Gesellschaftsvertrag für sehr wichtig. Die Funk-Gruppe, ein Versicherungsmakler für Industriekunden, mit heute 500 Mitarbeitern habe deshalb schon 1977 das Unternehmen von einer Kommanditgesellschaft in eine GmbH umgewandelt. Der neue Gesellschaftsvertrag legte dann beispielsweise fest, dass es für eine Führungsaufgabe nicht allein genüge, Familienmitglied zu sein - auch die fachliche Eignung müsse stimmen.

In Sachen Nachfolge gab Bühler den Rat, die Altersvorsorge nicht aus den Augen zu verlieren. Ein Verkaufspreis von 500 000 Mark mag für den Augenblick viel sein, wenn man aber das "Langlebigkeitsrisiko" bedenke, sehe das schon ganz anders aus.

Hilfe bei der Bewertung des Betriebes oder bei Finanzierungsfragen bieten die Handwerks- und die Industrie- und Handelskammer. Die Kammern sind außerdem an eine bundesweite Nachfolgebörse angeschlossen, in der Übernahmegesuche- und Angebote kostenlos eingegeben werden können. Direkt ist die Börse im Internet unter

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