Patrick Adenauer : „Die Bürokratie verhindert die Schaffung von Arbeitsplätzen“

Patrick Adenauer, Chef des Verbandes der Familienunternehmer, über weniger Kündigungsschutz, Mindestlöhne und Griechenland.

Der Verband „Die Familienunternehmer“ fungiert als politische Interessenvertretung für rund 5 000 Firmen. Mit Adenauer sprach Moritz Honert.
Der Verband „Die Familienunternehmer“ fungiert als politische Interessenvertretung für rund 5 000 Firmen. Mit Adenauer sprach...Foto: dpa

Herr Adenauer, im Vorfeld des 1. Mai veranstalten Sie am heutigen Donnerstag eine Kundgebung am Pariser Platz in Berlin. Ihre Forderung: „Räumt die Blockaden am Arbeitsmarkt weg.“ Was bedeutet das?

Wenn wir in Deutschland den Schuldenabbau vorantreiben und unsere sozialen Sicherungssysteme erhalten wollen, dann kommen wir nicht mit 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum hin. Deshalb müssen wir es Unternehmen ermöglichen, mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Wir Unternehmer werden aber blockiert.

Durch wen und was?

Vor allen Dingen durch zu viel Bürokratie. Es gibt Studien, die sagen, dass die Bürokratiekosten für Unternehmen in Deutschland fast 50 Milliarden Euro betragen. Viel Geld, das zur Schaffung neuer Arbeitsplätze eingesetzt werden könnte. Deshalb haben wir einen Katalog mit zehn Sofortmaßnahmen aufgestellt.

Was schlagen Sie vor als schnell wirksame Maßnahmen?

Zum Beispiel sollte bei Neueinstellungen für drei Jahre der Kündigungsschutz ausgesetzt und durch Abfindungsregelungen ersetzt werden. Das würde den Arbeitsmarkt im jetzt beginnenden Aufschwung beleben. Außerdem sollte der Arbeitgeberanteil bei allen Sozialversicherungen eingefroren werden. Schon mit den jetzigen Kosten ist es schwer, neue Jobs zu schaffen.

Das klingt nach einer weiteren Deregulierung des Arbeitsmarktes. Dann gibt es in Zukunft noch mehr prekäre Beschäftigung.

Wir sind nicht für einen Niedriglohnsektor oder unfaire Löhne. Aber Mindestlöhne sind ein Problem. Es gibt Arbeiten, die wären mit Mindestlöhnen unrentabel und würden dann gar nicht erst angeboten. Wir können es doch unseren Arbeitnehmern, die das ganze System finanzieren, nicht zumuten, dass ein dann Arbeitsloser voll Unterstützung erhält, statt selber etwas zu verdienen. Deshalb befürworten wir Kombilöhne.

Am heutigen Donnerstag werden auch die neuesten Arbeitslosenzahlen veröffentlicht. Bis jetzt sah der Arbeitsmarkt 2010 besser aus als erwartet. Warum also die Aufregung?

Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Wenn Griechenland oder Portugal pleitegehen, dann wird das eine Kettenreaktion hinter sich herziehen, die auch Deutschlands Staatshaushalt massiv treffen wird. Außerdem stehen wir vor einem demografischen Problem. 2050 werden wir nur noch 70 Millionen Bürger sein, und dann kommt auf jeden Rentner ein Arbeiter. Die Sozialabgaben werden steigen. Deshalb müssen wir schon heute nachhaltig denken.

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