Wirtschaft : Paulus Neef kämpft um sein Comeback bei Pixelpark Machtprobe nach Verkauf von Bertelsmann-Anteilen

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Berlin (jaf) Der Medienkonzern Bertelsmann reduziert seine Beteiligung am angeschlagenen Berliner InternetDienstleister Pixelpark von 60 auf 20 Prozent. Einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ bestätigten unternehmensnahe Kreise dem Tagesspiegel. Neue Gesellschafter werden zu jeweils 20,1 Prozent der ehemalige Musikmanager und Ex-Universal-Chef Wolf-Dieter Gramatke und Axel Fischer, Eigentümer des Multimedia-Unternehmens Mediacs. Das in Potsdam ansässige Unternehmen ist auf die Umsetzung audiovisueller Daten in DVD-Form spezialisiert. Fischer und Gramatke bestätigten ebenfalls den Kauf der Aktienpakete.

Durch die Veränderung der Eigentümerstruktur könnten sich die Machtverhältnisse bei Pixelpark entscheidend verschieben. Die beiden neuen Aktionäre werden dem Umfeld von Firmengründer Paulus Neef zugerechnet, der kurz vor Weihnachten als Vorstandschef der Pixelpark AG abgelöst und durch den ehemaligen Aufsichtsratvorsitzenden Jürgen Richter ersetzt worden war. „Die Übernahme durch Herrn Richter war nicht sehr hilfreich und vom Stil her unmöglich“, sagte der neue Großaktionär Axel Fischer im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Pixelpark benötigt auf jeden Fall eine Restrukturierung, aber die wurde durch Paulus Neef bereits auf einen guten Weg gebracht.“ Auch Gramatke sicherte am Montag dem früheren Vorstandschef seine Unterstützung zu. Durch die Ablösung Neefs sei das beschlossene Sanierungskonzept gefährdet. Zugleich drohte Gramatke dem Pixelpark-Aufsichtsrat mit Schadenersatzklagen.

Vor dem Führungswechsel bei Pixelpark hatten sich Neef und Richter, Ex-Bertelsmann-Manager und ehemaliger Springer-Chef, über den Sanierungskurs für das verlustreiche Unternehmen zerstritten. Richter war am 30. November als Aufsichtsratvorsitzender zurückgetreten. Die veränderte Aktionärsstruktur eröffnet Neef womöglich Chancen auf ein Comeback. Der Firmengründer selbst hält 17,7 Prozent der Anteile, für die die Privatbank Sal. Oppenheim derzeit das Stimmrecht ausübt.

Mit dem Verkauf der Pixelpark-Mehrheit setzt Bertelsmann seinen nach dem Abgang von Thomas Middelhoff eingeleiteten Rückzug aus dem Internet fort. Pixelpark machte im vergangenen Jahr 86 Millionen Euro Verlust. Auch für dieses Jahr werden rote Zahlen erwartet. Zu Spitzenzeiten war das Unternehmen bei einem Börsenkurs von bis zu 194 Euro fast vier Milliarden Euro wert und zählte 1200 Beschäftigte. Im November kündigte Pixelpark an, die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland 2003 auf rund 100 zu reduzieren. Die Pixelpark-Aktie reagierte kaum und schloss am Montag bei 87 Cent.

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