Wirtschaft : Pauschal in die Pleite

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Von Flora Wisdorff

Die Insolvenz der Charterfluggesellschaft Aero Lloyd ist eine Folge des neuen Reiseverhaltens. Das Unternehmen hat von der typischen Pauschalreise gelebt – Angebote, die man bei Neckermann, Tjaereborg oder Thomas Cook bucht. Die Kunden kaufen ein fertig geschnürtes Paket: das Hotel, das Essen – und natürlich auch den Flug. Solange die Menschen genug Geld übrig hatten, um jährlich ans Mittelmeer zu reisen und diese Reisen auch brav im Paket bei den großen Reisekonzernen buchten, lief es auch für Aero Lloyd meistens gut. Denn Tui und Co verkauften so viele Reisen, dass ihre eigenen Ferienflieger nicht ausreichten, um die Touristen zu transportieren. Die Konzerne mussten unabhängige Flieger wie Aero Lloyd buchen.

Doch in Zeiten von Konjunkturflaute und hoher Arbeitslosigkeit wird weniger gereist – und wenn überhaupt, dann sehr, sehr billig. Die Urlaubsunternehmen versorgen jetzt vor allem ihre eigenen Fluggesellschaften mit Aufträgen, für die unabhängigen Charter bleibt da wenig übrig. Und: Die Touristen sind individualistischer geworden. Gerne stellt sich der moderne Weltenbummler seine Reise selbst zusammen und fliegt lieber auf eigene Faust mit dem Billigflieger gen Süden. Entweder er bucht sich auf deren Webseite direkt ein Hotel, oder hilft sich vor Ort selbst weiter. Darauf haben viele Ferienflieger reagiert. Die großen Konzerne wie die Kleineren haben eigene Billigflieger gegründet oder das Geschäft mit den Tickets ohne Hotelbuchung kräftig ausgebaut. Die Konkurrenz für Aero Lloyd wuchs von Tag zu Tag.

Die Manager des traditionsreichen Ferienfliegers haben nicht reagiert. Sie sind im reinen Chartergeschäft geblieben. Ihre Abhängigkeit von den Reisekonzernen ist ihnen jetzt zum Verhängnis geworden.

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