Wirtschaft : PC-Händler Medion schockt die Börse

Maren Peters

Berlin - Beim angeschlagenen Elektronikhändler Medion, der mit dem Verkauf von Billig-Computern bei Aldi bekannt wurde, ist eine schnelle Erholung nicht in Sicht. Nach einem dramatischen Gewinnrückgang im vergangenen Jahr will Medion das Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft nutzen, um sich neu zu sortieren, und erwartet erst 2007 wieder steigende Umsätze und Gewinne. „Dieses Jahr ist ein Übergangsjahr“, sagte Finanzvorstand Christian Eigen am Dienstag in Essen. Die Medion-Aktie war am Dienstag der größte Verlierer im Nebenwerteindex M-Dax.

Der Essener Großhändler von Computern, Flachbildfernsehern, elektrischen Haushaltsgeräten und Handys war lange Jahre erfolgreich mit der Strategie, günstige Computer über Handelsketten wie Aldi, Tchibo oder Metro zu verkaufen. Die Käufer standen Schlange, Medion verkaufte große Mengen, die Margen stimmten. Doch die Erfolgsgeschichte ist vorbei, seit die Preise für Unterhaltungselektronik fallen und auch große Elektronikketten Billig-PCs anbieten. Medions Hauptabnehmer haben reagiert, indem sie immer öfter Aktionsverkäufe mit geringen Stückzahlen durchführen. Das kostet Zulieferer wie Medion mehr Geld, weil die Lieferfristen kürzer werden, und drückt auf die Margen. Seit zwei Jahren kämpft das Unternehmen mit herben Gewinnrückgängen.

Wie sehr das veränderte Umfeld Medion zugesetzt hat, zeigen auch die Zahlen für 2005. Während der Markt für Unterhaltungselektronik insgesamt gewachsen ist, ging der Medion-Umsatz leicht auf 2,5 Milliarden Euro zurück (nach 2,6 Milliarden Euro im Vorjahr), der Gewinn vor Zinsen und Steuern – bereinigt um Sondereinflüsse durch die Reorganisation – sank von 90 Millionen Euro auf rund 22 Millionen Euro, teilte Medion mit. Der Nettogewinn brach um 80 Prozent auf 9,2 Millionen Euro ein. Das spüren auch die Anleger: Die Dividende soll um zwei Drittel auf 0,19 Euro pro Aktie sinken.

Der deutsche Markt für Unterhaltungselektronik, also für Computer und Notebooks, MP3-Player und Mobiltelefone, legte dagegen nach Angaben der Marktforscher von GFK/GFU im vergangenen Jahr um 7,6 Prozent zu.

Auch für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich Medion zurückhaltend. Im Laufe des Jahres verspricht sich das Management zwar positive Impulse – erst soll die Fußball-WM zu einer Absatzsteigerung bei Flachbildschirmen beitragen, ab Herbst will Medion im Zuge der Windows-Vista-Einführung auch im Computer-Geschäft zulegen. Trotzdem bleibt der Ausblick nur „verhalten“.

Als Grund nannte das Unternehmen laufende „Reorganisationsmaßnahmen“. Medion will sich künftig von teuren Schnäppchen-Aktionen verabschieden und auf den Verkauf von Kleingeräten wie Toastern oder Blutdruckmessgeräten verzichten, die nur wenig zum Gewinn beitragen. Dadurch fällt auch ein Teil des Umsatzes weg, nach Medion-Angaben insgesamt zwei Milliarden Euro in diesem Jahr.

„Der Ausblick für 2006 ist enttäuschend“, sagte Andreas Inderst, Analyst bei ABN Amro, dieser Zeitung. „Ich hatte erwartet, dass Medion mehr von der Fußball-WM profitieren würde.“ Der Analyst erwartet, dass die angekündigten Restrukturierungsmaßnahmen im zweiten Halbjahr 2006 langsam greifen und sich die Kostensituation dann verbessert.

Obwohl das Unternehmen bereits Anfang Januar eine Gewinnwarnung gegeben hatte, verlor die Medion-Aktie am Dienstag zeitweise bis zu neun Prozent und war damit größter Verlierer im Nebenwerteindex M-Dax. Analysten begründeten das mit dem unerwartet schwachen Ausblick und der angekündigten Dividendenkürzung. Aber auch der bevorstehende Rauswurf von Medion-Aktien aus dem M-Dax könnte den Abgabedruck verstärkt haben. „Jetzt trennen sich offenbar schon einige Investoren, wahrscheinlich vor allem Index-Fonds, vorsorglich von dem Papier“, sagte ein Händler. Medion-Titel müssen Ende März den Aktien der Baumarktkette Praktiker weichen.

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