Wirtschaft : PC-Lüfter gegen den Hitzetod

Ein spannendes Actionspiel: Schweiß rinnt dem engagierten Spieler über die Stirn, die Hände sind feucht - und auch der Computer arbeitet auf Hochtouren. Bis zu 100 Grad können es in einem Rechnergehäuse werden. Wer da nicht "lüftet", schickt seinen PCs über kurz oder lang in den Hitzetod. (18.04.2005, 21:16 Uhr)

München/Hannover - Besonders das Herz des Rechners, der Prozessor, sowie Grafikkarte und Netzteil laufen schnell heiß. Die Wärme, die entsteht, kann nur bis zu einer bestimmten Leistung an die Umwelt abgegeben werden. «Seit aber die Transistoren auf der Chipfläche immer mehr werden und die Taktfrequenzen immer höher, ist es mit Luftaustausch nicht mehr getan», erklärt Christoph Windeck von der in Hannover erscheinenden Zeitschrift «c't». Der Chip allein erzeuge etwa die achtfache Energie einer Herdplatte - zu viel Hitze für ein Bauteil in einem Gehäuse.

Ideal ist im Rechner eine Temperatur von rund 40 Grad. Dafür rotieren die Ventilatoren der kleinen Lüfter auf Hochtouren, denn sie laufen immer gleich stark. Rechnet ein PC etwa an einer Windows-Anwendung, ist er jedoch nur zu einem Drittel ausgelastet. «Da muss es nicht sein, dass die Lüfter die ganze Zeit volle Leistung bringen», sagt Hans-Jürgen Werner, Sprecher des Chip-Herstellers Intel in München. Besser sei es, die Leistung zu regulieren.

«AMD und Intel bieten Temperatur gesteuerte Chips an, bei denen die Lüfter erst bei einer gewissen Temperatur die volle Drehzahl erreichen», sagt Windeck. Damit könne eine enorme Geräuschreduzierung erreicht werden. Seit seinem Prescott-Chip baut Intel kleine Halbleiterbausteine, so genannte thermische Dioden, auf die Prozessoren. Diese können die Temperatur messen und dynamisch die Lüfterleistung steuern.

«Kühlung funktioniert aber nur, wenn ein Temperaturgefälle da ist», gibt Windeck zu bedenken. Stehen die Rechner - besonders im Sommer - in einem Raum mit hoher Umgebungstemperatur, dürfte das Gefälle eher gering sein. Ist der Raum dagegen kühl, könne über dem Prozessor ein Rüssel angebracht werden, der frische Luft von außen ansaugt.

Krach ist das Hauptproblem bei der Kühlung der Rechner. «Die heutigen schnellen und leistungsfähigen Systeme machen einfach mehr Lärm», erläutert Adrian Horne, Sprecher bei IBM in Paris. Allerdings ist laut nicht gleich laut. Der Lärm «hängt vom subjektiven Schallempfinden, der Betriebsumgebung, dem Einsatzzweck und dem Geldbeutel ab», sagt Windeck. Ist also die Umgebung ohnehin laut oder kommt der Computer hauptsächlich mit lärmenden Actionspielen zum Einsatz, wird Krach ganz anders empfunden als wenn der Rechner im ruhigen Arbeitszimmer daheim läuft.

Spielefans verlangen ihren Rechnern sehr viel ab. Sie haben aber oft auch die ausgeklügeltsten Systeme, die für Kühlung sorgen. So genannte Heatpipes gibt es da - Metalllamellen, die die Wärme ableiten. Auch Wasserkühlungen, kleine Schnorchel auf den Prozessoren und ausgeklügelte Luftleitungssysteme werden verwendet.

«Man muss die einzelnen Komponenten so anordnen, dass sie bestmöglich gelüftet werden», erläutert Intel-Sprecher Werner. Die Halbleiter-Produzenten bieten den Computerherstellern daher exakte Pläne an, wie im Gehäuse genügend Platz zur Rotation der Luft ist - egal, ob der Rechner ein großer ist oder nur eine «halbe Portion» wie ein Mini-PC. Wer Lüfter nachrüsten will oder muss, sollte Qualitat kaufen. «Hochwertige Lüfter gehen von Haus aus leiser», sagt Werner.

Auch bei der Nachrüstung lohnt es sich, in einen Lüfter mit aktiver Drehzahlregelung zu investieren, bei dem abhängig von der Umgebungstemperatur die Drehzahl geregelt wird. Je nach Durchmesser und Anbieter kostet so ein Ventilator 15 bis 35 Euro. Anbieter sind Firmen wie Papst oder EKL. «Die Ansprüche steigen immer mehr», so EKL-Sprecherin Barbara Springer. Nicht nur sollen die Lüfter jedem hoch getakteten PC-System Luft zufächern, sie sollen auch optisch ansprechen. «Die Leute wollen einen schicken Kühler, der was fürs Auge ist.»

Windeck rät, bei Neuanschaffungen gleich in ein System mit guten Lüftern zu investieren: «Bei der Nachrüstung kann es Probleme mit der Garantie geben.» Für die Drosselung der Lautstärke kann zudem mit ganz einfachen Mitteln gesorgt werden: IBM behilft sich bei Desktop-Computern mit Gehäusen aus Stahl, die den Geräuschpegel aus dem Inneren besser dämmen. Bei allen Rechnern kann das gesamte Gehäuse etwa mit Dämm-Matten versehen werden, die an Seitenbleche, Deckel, Boden sowie Teile der Front- und Rückseite geklebt werden. (Von Verena Wolff, dpa) (tso)

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