Wirtschaft : Peking bremst beim Wachstum Inflation soll auf

vier Prozent sinken.

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Peking - Die Nachricht kam alles andere als überraschend. Schon im aktuellen Fünfjahresplan der chinesischen Regierung steht geschrieben, dass die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt nicht mehr auf ungebremstes Wachstum, sondern auf nachhaltiges Wachstum setzen wolle. Und trotzdem notierten die asiatischen Börsen am Montag sofort im Minus, als Chinas scheidender Premierminister Wen Jiabao in seiner Rede zur Eröffnung des Nationalen Volkskongresses bekannt gab, was dieses Vorhaben nun konkret bedeutet: Eine Wachstumsprognose für das Jahr 2012 von 7,5 Prozent. Dies wäre das niedrigste Wachstum seit 1990.

In den vergangenen acht Jahren hatte China jeweils ein Ziel von acht Prozent ausgegeben und war am Jahresende jeweils deutlich darüber gelegen. So auch 2011 mit 9,2 Prozent. Tatsächlich ist die jährliche Wachstumsprognose so etwas wie ein Mindestziel, das es zu erreichen gilt. Die aktuelle niedrige Prognose ist vor allem der schwachen Weltwirtschaft und der europäischen Schuldenkrise geschuldet. Wen Jiabao sagte in seinem jährlichen Arbeitsreport: „Wir haben vor, eine dauerhafte und kräftige wirtschaftliche Entwicklung zu fördern, die Preise stabil zu halten und wachsam zu sein gegenüber finanziellen Risiken, indem wir die gesamte Geld- und Kreditversorgung auf einem angemessenen Niveau halten und eine vorsichtige und flexible Haltung wählen.“ Vor allem den Binnenkonsum wolle er fördern, sagte der Premierminister, der 2013 einem turnusmäßigen Führungswechsel weichen muss.

Wen Jiabao, der sich oft als Anwalt der kleinen Leute geriert, bezeichnete die zweistelligen Wachstumsraten als „unausgewogen und nicht aufrechtzuerhalten“. Er wolle auch die Inflationsrate besser in den Griff bekommen. Im vergangenen Jahr hatte sie 5,4 Prozent betragen, in diesem Jahr sollen es vier Prozent werden. Und schließlich werde die chinesische Wirtschaft nicht mehr so stark vom Export abhängen. Das freilich heißt, aus der Not eine Tugend zu machen. Die Prognosen für die Exporte in die Europäische Union, Chinas größtem Exportmarkt, fallen ohnehin bescheidener aus als in den Vorjahren. Benedikt Voigt

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