Wirtschaft : Peking versucht, die Kapitalflucht zu stoppen

PEKING (sz/HB).Die chinesische Regierung sorgt sich um die Kapitalflucht.Die Aufsichtsbehörden haben daher eine Flut von Verordnungen erlassen, um den Umtausch von Renminbi-Einlagen in US-Dollar und andere Fremdwährungen und den Transfer der Gelder ins Ausland zu unterbinden.Westlichen Banken und der Baseler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sind statistische Diskrepanzen zwischen der Entwicklung von Exportzahlen und stagnierenden Devisenreserven aufgefallen.Dies ist ein Indikator von vielen, daß Gelder ins Ausland verschwinden: Chinas Exporte kletterten bis zum 31.August um 5,5 Prozent auf 118,7 Mrd.Dollar.Die Währungsreserven stagnierten indes bei 140 Mrd.Dollar.

Unsicherheit und Vertrauensschwund, wie in Thailand, Indonesien und Malaysia, sind nun auch in China zu spüren.Die Geschäftswelt ist skeptisch gegenüber Versicherungen der Regierung geworden, daß eine Abwertung des Renminbis nicht geduldet wird.Regierungschef Zhu Rongji wiederholte soeben seine These, daß eine Abwertung nicht zwingend sei.Er versucht mit Exportsubventionen und Steuererleichterungen gegenzusteuern, um die Produkte von Chinas Industrie trotz der Abwertungswelle in den Nachbarländern wettbewerbsfähig zu halten.

Eine der Weisungen an die Banken erlaubt den Aufsichtsorganen eine genaue Kontrolle von Auslandszahlungen von Banken und Firmen.Eine andere Verordnung verbietet die vorzeitige Rückzahlung von Fremdwährungskrediten.Überdies werden Banken untersucht, nachdem Unregelmäßigkeiten bei Devisentransfers aufgefallen waren.Die Zusicherungen von höchster Stelle, daß keine Abwertung geplant ist, hat die Regierung in eine Zwangslage gebracht.Trotz währungspolitischer Abschottung ist nämlich auch China gegenüber Devisenmarkt-Turbulenzen nicht immun.Die Versuchung wird daher in Peking steigen, der Abwertung einen anderen Namen zu geben.Zu beobachten ist ein Schwarzmarkt mit einer Dollarnotiz von 8,80 bis 8,90 (offizieller Kurs: 8,30 Renminbi).

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