Wirtschaft : Pelze verkaufen sich auch ohne Winter

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Erfurt/Berlin - Die internationale Mode setzt trotz aller Proteste der Tierschützer wieder stärker auf Pelze und beschert dem deutschen Kürschnerhandwerk einen Aufwärtstrend. Im vergangenen Jahr sei der Umsatz nach ersten Schätzungen um zwei bis drei Prozent auf etwa 400 Millionen Euro gestiegen, sagte der Präsident des Zentralverbandes, Wolfgang Jahn, am Freitag in Erfurt. Trotz des milden Winters seien die Geschäfte auch Ende des vergangenen Jahres gut gelaufen. Der Zuwachs bei Kürschnerwaren sei höher ausgefallen als im Textileinzelhandel insgesamt mit einem Plus von etwa einem Prozent.

Nachgefragt würden weniger „Pelze für den großen Auftritt“, als leichte, alltagstaugliche Jacken oder Kurzmäntel, auch pelzgefütterte Parkas seien wieder im Kommen. Im Trend liegen natürliche Brauntöne und dunklere Farben. Für das laufende Jahr rechnet der Zentralverband mit einem Umsatzwachstum von bis zu 1,5 Prozent. Im Gegensatz zu vergangenen Jahren seien Pelze keine Massenkonsumartikel mehr, sondern das, was sie früher waren: elitär.

Die Zahl der Kürschnerbetriebe in Deutschland ist innerhalb von sechs Jahren um etwa 200 auf derzeit 800 gesunken. Sie beschäftigen rund 2800 Mitarbeiter. „Betriebe müssen schließen, weil kein Nachfolger gefunden wird“, sagte Jahn. „Der Abwärtstrend bei der Zahl der Betriebe ist noch nicht gestoppt.“ Ein Grund dafür sei, dass das Kürschnerhandwerk sehr kapitalintensiv sei. Die Felle würden vorwiegend aus Skandinavien oder Nordamerika bezogen. Wegen der großen Nachfrage bei Auktionen aus China und Russland seien die Preise gestiegen. In den Handwerksbetrieben würden keine Felle verarbeitet, „die aus dubiosen Farmen kommen“.

Das Kürschnerhandwerk in Deutschland habe sich in den vergangenen Jahren gewandelt und viele Betriebe hätten sich zu einer „feinen Manufaktur“ entwickelt. Nicht unwesentlich bei der Umsatzentwicklung sind nach Angaben von Jahn Serviceangebote von Änderungen, Reparaturen über Spezialreinigung bis Pelzaufbewahrung. Gute alte Stücke würden von Fachbetrieben auch umgearbeitet .

Von einer „sensationellen Renaissance des Pelzes“ spricht beispielsweise der Hamburger Zobeldesigner Peter Steinbrück. Die Kundschaft sei deutlich jünger geworden, denn, so Steinbrück, ein Pelz von heute hat nichts mehr mit Omas Mantel zu tun. dpa/Tsp

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