Wirtschaft : Pensions-Fonds machen Versicherern Konkurrenz

Erstmals Investmentfonds zur privaten Altersvorsorge / Günstige Zusatzrente möglich / "Ein Treibsatz für die Fondsbranche"
FRANKFURT (MAIN)(ro).Gebohrt hat der Bundesverband der Deutschen Investmentgesellschaften (BVI) lange genug.Jetzt sind die Bemühungen von Erfolg gekrönt.Denn die Bundesregierung will mit dem dritten Finanzmarktförderungsgesetz von Anfang 1998 an auch Pensionssondervermögen zulassen.Damit erhalten die Fondsgesellschaften die Möglichkeit, Anlegern Investmentfonds anzubieten, die ganz gezielt der Altersvorsorge dienen sollen.Erstmals gibt es damit Fonds, die gleichzeitig in Aktien, Renten und in Anteile von offenen Immobilienfonds investieren und stille Beteiligungen erwerben dürfen.30 bis 80 Prozent des Fondsvermögen kann in Aktien angelegt werden, bis zu 49,9 Prozent in Renten und bis zu 20 Prozent in offene Immobilienfonds.Läuft alles normal, dann lassen sich mit solchen Fonds hohe Renditen erzielen. Dem vorliegenden Referentenentwurf zufolge soll in die neuen Pensionsfonds mindestens zwölf Jahre lang eingezahlt werden, laufende Ausschüttungen gibt es nicht, ausgezahlt wird erst am Ende der Laufzeit.Ein Arbeitnehmer, so lautet eine Beispielrechnung, der vom 30.bis zum 65.Lebensjahr monatlich 100 DM - also insgesamt 42 000 DM - einzahlt, könne am Ende mit einem Vermögen von 200 000 DM rechnen und eine monatliche Zusatzrente von 1200 bis 1400 DM erwarten.Doch eine Garantie dafür gibt es nicht.Deshalb müssen die Investmentfirmen beim Verkauf der Fonds den Anlegern auch Sparpläne anbieten und auf Lebensversicherungen hinweisen.Grund: Die Absicherung von Berufsunfähigkeit und die Versorgung von Hinterbliebenen. Aus reiner Fürsorge wird die Branche die neuen Fonds natürlich nicht anbieten.Es geht ums Geschäft.Weil die staatliche Rentenversicherung auf unsicheren Beinen steht, gilt die private Alterssicherung als wichtiger Zusatz und als attraktiver Markt.Im Schnitt hatten die Bundesbürger in den letzten Jahren jährlich 270 Mrd.DM anzulegen.Ein Viertel ging an die Versicherungen, die in Sachen private Altersvorsorge die wichtigste Rolle spielen.Dabei will die Investmentbranche stärker als bisher mitmischen, auch wenn man bislang schon diverse Fonds kreiert hat, um rentenmißtrauische Anleger zu gewinnen.Die "Investmentrente" des Deutsche Bank-Ablegers DWS ist nur ein Beispiel. Weil es um einen lukrativen Markt geht und die Versicherungen um ihre Pfründe fürchten, hat es in der Vergangenheit deutliche Verstimmung zwischen der Investmentbranche und den Versicherern gegeben, auch wenn das BVI-Vorstandssprecher Rolf Passow bestreitet.Von falschen Renditerechnungen der Fondslobbyisten war da bei den Versichern die Rede und von "Ettikettenschwindel".Denn mit Altersvorsorge habe ein Produkt wenig zu tun, das keine Garantien und keine Hinterbliebenenvorsorge biete. Passow versichert, man wolle den Assekuranzen nicht ins Gehege kommen."Die klassische Lebensversicherung ist und bleibt ein wesentliches Instrument der Altersvorsorge." Die Pensionsfonds seien "eine ergänzende" Form der privaten Vorsorge.Policen und Fonds seien keine miteinander konkurrierenden Produkte. Gleichwohl erhofft sich die Investmentbranche ein einträgliches Geschäft, auch wenn die Erwartungen noch nicht in konkrete Zahlen gepackt werden."Das neue Gesetz zündet einen Treibsatz in der Branche", sagt Heinrich Durstewitz, Sprecher des DIT, des Fondsablegers der Dresdner Bank.Erste Offerten für Pensionssondervermögen soll es im Frühjahr 1998 geben, wenige Monate nach der gesetzlichen Zulassung. Dabei setzen die Fondsmanager auch darauf, daß sie in das Feld der betrieblichen Altersvorsorge vordringen können.Vor allem kleine, mittelständische Unternehmen sollen dadurch von den Risiken der schwer kalkulierbaren Rentenzahlungen befreit werden.Statt dessen könnten für die Beschäftigten Pensionssondervermögen erworben werden. Der Optimismus der Fondsbranche im Blick auf die neuen Produkte ist groß.Auf eine wesentliche Unterstützung muß sie allerdings verzichten: Die erhoffte steuerliche Förderung der Pensionsfonds wird es angesichts der leeren öffentlichen Kassen nicht geben.

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