Wirtschaft : Pensionsfonds: Geschäft kommt in Schwung

Heike Jahberg

Nachdem schon seit fast einem Jahr Versicherungsvertreter Klinken putzen, um den Deutschen Riester-geförderte Rentenversicherungen anzubieten, rückt jetzt das Herzstück der privaten Altersvorsorge, die Pensionsfonds und -kassen, in greifbare Nähe. Bereits im nächsten Monat wird höchstwahrscheinlich der erste Pensionsfonds in Deutschland zugelassen, heißt es beim zuständigen Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen. Möglich sei auch, dass im April bereits mehrere Fonds ihre Zulassung bekommen. Insgesamt sind bei der Versicherungsaufsicht 27 Anträge auf Einrichtung von Pensionsfonds und 24 auf Neuzulassungen von Pensionskassen eingegangen, sagte Karl Leute, Sprecher der Aufsichtsbehörde, dem Tagesspiegel.

Mit der ersten Genehmigung eines Pensionsfonds kommt das Geschäft rund um die betriebliche Altersvorsorge endlich in Schwung. Viele Unternehmen wollen ihren Mitarbeitern schon seit langem entsprechende Angebote machen, konnten es aber bislang nicht. Auch die großen tariflichen Versorgungswerke wie etwa die von der IG Metall und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall im vergangenen Jahr ins Leben gerufene "MetallRente" warten händeringend auf grünes Licht aus Bonn.

Pensionsfonds gelten als die Perle der betrieblichen Altersvorsorge. Anders als Pensionskassen, die ihr Kapital nach den Vorschriften für Lebensversicherungen anlegen, sind die Fonds freier in ihrer Anlagepolitik. Für beide gilt, dass sie verglichen mit den privaten Riester-Produkten eine deutlich geringere Kostenquote haben. Der besondere Reiz von Pensionskasse und -fonds ( siehe Lexikon ) liegt jedoch in der Gehaltsumwandlung. Bis zu 2160 Euro können jährlich aus dem Gehalt umgewandelt und in einen Pensionsfonds oder in eine Pensionskasse eingezahlt werden - steuerfrei. Bis zum Jahr 2008 müssen Arbeitnehmer wie Arbeitgeber außerdem keine Sozialversicherungsbeiträge abführen.

"Phänomenale Möglichkeiten" sieht der Berliner Versicherungsexperte Hans-Peter Schwintowski für die neuen Pensionsfonds. Nur: Die Produkte hätte sich der Berliner Professor schon viel früher gewünscht. Zusammen mit seinen drei Kollegen Jürgen Basedow aus Hamburg, Ulrich Meyer aus Bamberg und Dieter Rückle aus Trier hat sich Schwintowski jetzt mit einem "öffentlichen Appell zu Missständen auf den Märkten für Riester-Verträge" Luft gemacht. Die Sorge der Professoren: Während die empfehlenswerten Pensionsfonds noch beim Bundesaufsichtsamt schmoren, klappern Versicherungsvertreter den Markt ab und drehen den ahnungslosen Bürgern teure Rentenversicherungen an. Die Versicherungsaufsicht solle daher "den Vertrieb von Riester-Verträgen so lange unterbinden, bis Pensionskassen und -fonds in hinreichendem Maße am Markt tätig sein können".

Doch von einer Riester-Rentenwelle kann nicht die Rede sein. Erst 1,4 Millionen private Rentenverträge sind zum Anfang des Jahres abgeschlossen worden, weit weniger als die Branche erwartet hatte. Den großen Schub erwarten Experten erst in der zweiten Jahreshälfte, wenn verlässliche Untersuchungen über die Qualität der Produkte vorliegen. Dann könnten auch schon die ersten Pensionsfonds auf dem Markt sein.

Bei der "MetallRente" laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie können dort künftig zwischen drei Formen der betrieblichen Altersvorsorge wählen: Direktversicherung, Pensionskasse und -fonds. Direktversicherungen sollen "in Bälde" angeboten werden, die Pensionskasse in "absehbarer Zeit" und der Pensionsfonds sobald er genehmigt ist, sagt Christoph John, Sprecher des Konsortialführers Allianz. Dabei hofft John auf pragmatische Lösungen. Sollte die Geschäftsführung der "MetallRente" zustimmen, soll Grundlage des neuen Tariffonds einer der Pensionsfonds der Konsortialpartner Allianz, Victoria, BHW oder WestLB sein. Die Allianz selbst hat für ihren Pensionsfonds "Allianz-Dresdner-Pensionsfonds AG" die Zulassung bereits beantragt.

Drei Referate des Bundesaufsichtsamtes sind mit der Zulassung von Pensionsfonds befasst. Sollten die Antragsteller kooperieren, ist die Behörde zuversichtlich, bis zum Jahresende alle Anträge abgearbeitet zu haben. Dass die Produkte erst jetzt auf den Markt kommen, liegt am Gesetzgeber. Bis zum Dezember brauchte der, um die nötigen Verordnungen zu erlassen. Bis dahin waren die Versicherungsvertreter schon fleißig: Das Gesetz zur privaten Riester-Rente gibt es schon seit August 2001.

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