Wirtschaft : Pensionsfonds: Pensionsfonds für die Deutschland AG

Henrik Mortsiefer

Wenn vom Einfluss amerikanischer Pensionsfonds auf die Geschäftspolitik großer US-Konzerne die Rede ist, staunen deutsche Zuhörer. Die vielen Dollar-Milliarden, die die Amerikaner seit Jahrzehnten für ihr Alter in den Fonds zurücklegen, haben die Kapitalsammler mächtig gemacht. Die Summe ihrer Finanzanlagen liegt bei 70 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes. Hier zu Lande kommen die Anlagen gerade mal auf drei Prozent des BIP. Fonds-Manager zählen demgemäß hier zu den eher seltenen Gästen auf Hauptversammlungen, in den USA sorgt ihr Erscheinen dagegen für Nervosität bei den Vorständen: Als Aktionäre mischen sie sich in die Strategien der Unternehmen ein, fordern den Rücktritt unfähiger Vorstände und höhere Renditen.

Das könnte auch deutschen Konzernmanagern blühen, wenn sich Pensionsfonds in Deutschland durchsetzen. Die ersten Produkte kommen jetzt - endlich - auf den Markt. Hartnäckig haben die Mächtigen der Deutschland AG sie bisher zu verhindern gesucht. Für die Banken und Versicherungen war das Geschäft mit den Lebensversicherungen zu attraktiv, als dass sie professionell und überbetrieblich gemanagten Pensionsfonds etwas hätten abgewinnen können. Jetzt kommt, spät, aber immerhin, Bewegung auf den Markt. Das ist gut: Erstens, weil es eine neue Form des Alterssparens gibt. Zweitens, weil sich der Erfolg dieses Instuments betrieblicher Altersvorsorge auf den internationalen Kapitalmärkten überprüfen lässt. Und drittens, weil die Arbeitnehmer und ihre Vertreter merken werden, dass es außer der Mitbestimmung weitere Wege gibt, Einfluss zu nehmen: zum Beispiel über die Stimmrechte bei Aktien.

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