Wirtschaft : Per Kartell gegen Korruption

Bestechung richtet hohe Schäden an, mahnt Bauminister Ramsauer.

von
Mit erhobenem Zeigefinger: Verkehrs- und Bauminister Peter Ramsauer. Foto: dpa
Mit erhobenem Zeigefinger: Verkehrs- und Bauminister Peter Ramsauer. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Ex-Bundespräsident Christian Wulff war am Donnerstag noch lange nicht per Zapfenstreich verabschiedet, da erhob Peter Ramsauer bereits mahnend den Zeigefinger. Korruption sei schädlich für die gesamte Gesellschaft, mahnte der Verkehrs- und Bauminister, die Wirtschaft müsse das bei ihren Beschäftigten verankern. „Jeder Mitarbeiter eines Unternehmens sollte wissen, wie er sich einem Amtsträger gegenüber verhalten muss“, verlangte der CSU-Politiker. „Wirtschaft und Verwaltung müssen sich gemeinsam gegen Korruption wenden.“

Den Fall des gefallenen Präsidenten hatten Ramsauer und seine Leute natürlich nicht im Blick, als sie eine Konferenz planten, bei der es um Aktionen gegen Bestechung und Bestechlichkeit ging. Offiziell war die Affäre Wulff auch kein Thema, aber zwischen den Zeilen schwang sie mit. Nicht nur bei den Worten Ramsauers. „Welchen Schaden diese Leute anrichten, ist kaum zu beziffern“, rief Ex-Finanzminister Theo Waigel und meinte Menschen, die für Schmiergeld empfänglich sind oder es verteilen. Ein lohnendes Geschäft sei es ohnehin nicht, sich Aufträge per Bakschisch zu verschaffen. „Bestechung ist unrentabel, die Kosten für Strafen und Aufarbeitung sind hoch.“

Waigel muss es wissen. Er hat sich von Siemens als Anti-Korruptions-Beauftragter anwerben lassen und überwacht, ob der Konzern die richtigen Lehren aus dem Schmiergeldskandal zieht. 2,2 Milliarden Euro musste das Unternehmen zahlen, das sich jahrelang mittels dubioser Zahlungen Aufträge verschafft hatte. Jetzt gibt sich Siemens geläutert. 600 der 400 000 Beschäftigten seien allein mit der Korruptionsbekämpfung und -vorbeugung beschäftigt, wirbt Waigel. Kein einziger Auftrag sei bislang verloren gegangen, nur weil man niemanden mehr besteche.

Viele Top-Adressen der deutschen Wirtschaft wurden in den vergangenen Jahren auffällig, weil sie sich mit dem Thema schwer taten – Thyssen-Krupp, Daimler, die Deutsche Bahn. 9500 Korruptionsstraftaten registrierte das Bundeskriminalamt 2011. Bei der Bahn musste fast der komplette Vorstand gehen, nachdem interne Ermittler bei der Suche nach korrupten Kollegen Datenschutzregeln grob missachtet hatten. Heute könne das nicht mehr passieren, sagt Rechtsvorstand Gerd Becht. Doch der Kampf gegen Kriminalität sei ein ständiger Prozess. Mit einem neuen Programm will sich die Bahn nun besser gegen Korruption, aber auch gegen Untreue und Kartelle schützen. Dazu lässt sie nun sogar forschen. Theo Waigel findet das prima. Gegen dieses Übel müssten alle arbeiten – in einem „Kartell der Guten“.Carsten Brönstrup

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben