Personalabbau : DaimlerChrysler streicht 6.000 Stellen

Der Autobauer DaimlerChrysler wird in den nächsten drei Jahren weltweit 6.000 Stellen in der Verwaltung abbauen. Von den Plänen sind damit rund 20 Prozent der Verwaltungsstellen betroffen.

Stuttgart - Rund drei Wochen nach seinem Amtsantritt hat der neue DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche nun auch radikale Einschnitte in der Verwaltung des Autokonzerns angekündigt. In den nächsten drei Jahren werden dort 6000 Stellen gestrichen; das ist etwa jeder fünfte Arbeitsplatz in der Verwaltung weltweit. Dies teilte die DaimlerChrysler AG am Dienstag nach einer Aufsichtsratssitzung in Stuttgart mit. Bereits im vergangenen Jahr war ein Programm zum freiwilligen Ausscheiden von 8500 Mitarbeitern in den deutschen Werken der Mercedes-Gruppe angekündigt worden.

Zusammen mit den bereits laufenden Sanierungsmaßnahmen sollen die Verwaltungskosten um rund 1,5 Milliarden Euro im Jahr verringert werden. Gleichzeitig zieht die Konzernzentrale vom alten Standort in Stuttgart-Möhringen näher an die Produktion ins Motorenstammwerk Stuttgart-Untertürkheim um.

Der Gesamtbetriebsrat des Autokonzerns protestierte gegen die geplanten Personalabbau. Die Arbeitnehmervertreter haben nach eigenen Angaben die Entscheidung im Aufsichtsrat nicht mitgetragen. Der Betriebsrat wies daraufhin, dass für die Mitarbeiter in Deutschland bis Ende 2011 Beschäftigungssicherung gelte. Daher komme nur ein freiwilliges Ausscheiden in Betracht. Die Aktie legte zeitweise um mehr als drei Prozent auf rund 44 Euro zu.

Der Nettoeffekt der am Dienstag angekündigten Maßnahmen werde eine Milliarde Euro pro Jahr betragen, hieß es weiter. Die Kosten für die Umsetzung für das Konzern-Umbauprogramm werden für den Zeitraum von 2006 bis 2008 mit insgesamt etwa zwei Milliarden Euro angegeben. «Ziel ist eine schlanke, bewegliche Struktur mit optimierten Prozessen,» sagte Konzernchef Dieter Zetsche. Er kündigte an, dass Doppelkapazitäten auf Konzernebene und operativer Ebene abgebaut werden sollten. Entscheidungsprozesse sollten künftig kürzer und schneller werden. Zetsche betonte erneut, dass die Zusammenarbeit zwischen der Mercedes Car Group und der Chrysler Group «deutlich enger werden» solle.

Die deutschen Vorstandsmitglieder verlassen die bisherige Zentrale in Möhringen und ziehen in das Motoren-Stammwerk Stuttgart- Untertürkheim um. Dies bedeute, dass die Konzernzentralen von DaimlerChrysler zukünftig in Untertürkheim und in Auburn Hills bei Detroit (USA) ansässig sein würden, hieß es. Am Standort Möhringen sollen verschiedene Funktionen erhalten bleiben.

Der Konzernvorstand werde mit neun Personen zwar gegenüber dem Vorjahr nominell um drei Personen verkleinert, bleibt aber gegenüber der jetzigen Zusammensetzung unverändert. Aber es werden einige Zuständigkeiten neu verteilt. Zetsche selbst bleibt in Doppelfunktion Konzernchef und Leiter der Mercedes Car Group. Finanzchef Bodo Uebber behält die Verantwortung für Finanzen und Controlling sowie DaimlerChrysler Financial Services in Berlin.

Strategie-Vorstand Rüdiger Grube verantwortet neben dem Ressort Konzernentwicklung nun auch die Informationstechnologie (IT) und ist im Vorstand für die Beteiligung EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) zuständig. Die konzernweite Forschung und Technologie sowie die Entwicklung der Mercedes Car Group werden noch stärker beim Entwicklungschef Thomas Weber zusammengeführt. Damit sollen künftige Technologien schneller eingeführt werden.

Am stärksten von der Neustrukturierung ist Sparte Nutzfahrzeuge betroffen. Der von Vorstandsmitglied Andreas Renschler geleitete Geschäftsbereich wird unter dem Namen Truck Group auf das Kerngeschäft Lkw konzentriert. Die Ergebnisse des Bus- und Transportergeschäfts werden künftig in einem anderen Segment ausgewiesen. Zur Truck Group gehören in Zukunft die Bereiche Trucks Europe/Latin America (Mercedes-Benz), Trucks NAFTA (Freightliner, Sterling, Thomas Built Buses), Mitsubishi Fuso Truck and Bus Corporation sowie Truck Product Creation. Der Transporterbereich wird künftig an Zetsche berichten.

Erich Klemm, Gesamtbetriebsratschef und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, sprach sich gegen eine pauschale Personenabbauzahl aus. Es sei sinnvoll, wenn Bürokratie, Doppelfunktion und Hierarchien auf den Prüfstand kämen. Eine Zentralisierung von Entscheidung lähme aber ein Unternehmen eher. Jörg Spies, Betriebsratschef der Zentrale, in der rund 5000 Mitarbeiter arbeiten, forderte, dass Möhringen ein wichtiger Standort der Zentrale bleibe. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben