Wirtschaft : Personalabbau kostet Telekom Milliarden

32000 Mitarbeiter sollen bis 2008 gehen

Corinna Visser

Berlin - Die Deutsche Telekom setzt ihren Personalabbau fort. In den kommenden drei Jahren sollen weitere 32000 Mitarbeiter den Konzern verlassen, teilte die Telekom am Mittwoch in Bonn mit. „Der weltweite Umbruch der Branche, die rasante technologische Entwicklung und besonders der regulierungsbedingt harte Wettbewerb im Festnetz- und Breitbandbereich in Deutschland stellen den gesamten Konzern vor verschärfte Herausforderungen“, sagte Telekom-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke. Es bestehe aber die Chance, in neuen innovativen Märkten Stellen zu schaffen. Verteilt über die kommenden drei Jahre veranschlagt die Telekom für das gesamte Paket Kosten von 3,3 Milliarden Euro. Die Gewerkschaft Verdi kündigte Widerstand gegen den Stellenabbau an.

Die Börse reagierte mit einem Kursfeuerwerk auf die Mitteilung der Telekom. Grund dafür war aber auch die Ankündigung, dass die Telekom nicht in einen teuren Bieterwettbewerb um den britischen Mobilfunkanbieter O2 einsteigen will. Die Aktie schloss bei 14,87 Euro 2,6 Prozent im Plus.

Der Personalabbau sei Teil eines massiven Stellenumbaus im Konzern, teilte die Telekom mit. Dabei sollen auch 8000 neue Stellen aufgebaut werden, 5000 davon im Rahmen einer Investition in ein neues Glasfasernetz. Doch dafür stellt die Telekom Bedingungen: „Künftige wie auch bestehende Beschäftigungsmöglichkeiten sind allerdings stark von Regulierungsentscheidungen abhängig“, droht die Telekom. „Sollte beispielsweise der Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsglasfasernetzes aufgrund von Regulierung dieses neuen Marktes gefährdet sein, droht ein zusätzlicher Entfall von 5000 Stellen.“

Von den rund 32000 Mitarbeitern, die bis 2008 den Konzern im Inland verlassen sollen, kommen 7000 aus der konzerneigenen Beschäftigungsgesellschaft Vivento. Zu Vivento sind Mitarbeiter versetzt worden, für die es an ihrer ursprünglichen Stelle im Konzern keine Beschäftigung mehr gab. Vom Personalabbau am härtesten getroffen wird die Festnetzsparte T-Com. Hier sollen 20000 der zuletzt rund 81000 Stellen im Inland wegfallen. Weitere 1500 Arbeitsplätze will der Konzern in der Zentrale und noch einmal 5500 bei der Tochter T-Systems abbauen.

Seit der Privatisierung im Jahr 1995 sind bei der Telekom bereits rund 120000 Stellen gestrichen worden. Weltweit beschäftigte der Konzern Ende Juni rund 244000 Mitarbeiter, davon etwa 170000 in Deutschland. Unter diesen sind wiederum noch mehr als 46000 Beamte. Allein in Berlin ist die Telekom nach Angaben der Industrie- und Handelskammer siebtgrößter Arbeitgeber mit knapp 10000 Beschäftigten.

Betriebsbedingte Kündigungen sind nach einem mit Verdi 2004 vereinbarten Moratorium bis 2008 ausgeschlossen. „Der Abbau erfolgt über Einsatz freiwilliger Personalabbauinstrumente wie zum Beispiel Angebote zur Altersteilzeit und Abfindungen“, sagte Personalvorstand Heinz Klinkhammer. Über Vorruhestandsregelungen für Beamte sollen die Gespräche nach der Konstituierung der Bundesregierung begonnen werden.

Die Gewerkschaft Verdi wehrt sich bereits gegen die Personalabbaupläne. Den Abbau von 32000 Stellen nannte Franz Treml, Vize-Vorsitzender von Verdi und stellvertretender Aufsichtratschef der Telekom, im Gespräch mit dem Tagesspiegel eine „Horrorzahl“. Die Beschäftigten hätten im vergangenen Jahr bereits ihren Beitrag geleistet. Damals hatten Telekom und Verdi eine Verkürzung der Arbeitszeit bei nur teilweisem Lohnausgleich vereinbart. „Jetzt stehen die gleichen Menschen in der Situation, dass sie morgen ihren Arbeitsplatz verlieren können“, sagte Treml. „Das wird in den Betrieben zu enormer Unruhe führen.“ Die Gewerkschaft werde nun jede einzelne Maßnahme hinterfragen, um „die Horrorzahlen in wesentlichen Bereichen zu bereinigen“. Eine weitere Arbeitszeitverkürzung jedenfalls „geht nicht mehr“, sagte Treml. In einer Aufsichtsratssitzung am 12. Dezember legt die Telekom ihre Mittelfristplanung vor. „Bis dahin sollte es in den Gesprächen mit uns ein Stück Klarheit geben“, sagte Treml.

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