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Personalchef von Thyssen-Krupp : "Wir sind auf dem Weg zu einem neuen Konzern"

Die IG Metall hatte große Pläne mit Oliver Burkhard. Doch nun ist er Personalvorstand des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp - und verantwortlich für 150 000 Mitarbeiter weltweit.

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Der Weg war klar: 1972 in Frankfurt am Main geboren, sollte der Verwaltungsfachangestellte, studierte Betriebswirt und IG-Metall-Funktionär im Jahr 2019 zum Vorsitzenden der größten Gewerkschaft gewählt werden. Oliver Burkhard, seit 2007 IG-Metall-Chef von NRW, war das größte Talent in der 2,3 Millionen-Mitglieder-Organisation. Dann kam alles anders. Seit gut einem Jahr ist Burkhard als Personalchef für weltweit 150.000 Mitarbeiter von Thyssen-Krupp zuständig. In schwieriger Zeit, denn der Konzern hat Milliarden mit Stahlwerken in Übersee verloren und erfindet sich gerade neu.
Der Weg war klar: 1972 in Frankfurt am Main geboren, sollte der Verwaltungsfachangestellte, studierte Betriebswirt und...Foto: Imago

Oliver Burkhard, seit gut einem Jahr Personalvorstand von Thyssen-Krupp, hat den Kulturwandel im Konzern bekräftigt. "Wir gehen weiter auf dem Weg zum neuen Thyssen-Krupp-Konzern", sagte Burkhard dem Tagesspiegel. "Es entsteht eine neue Kultur, die wenig Privilegien übrig lässt. Ich will es mal so sagen: Das Baroneske tritt hinter das Bürgerliche zurück. Ein Vorstand geht heute zum Mittagessen in die Kantine. Das gab es früher nicht, der Vorstand hatte ein eigenes Restaurant. Das haben wir geschlossen."

Der Ruhrkonzern mit weltweit rund 150 000 Mitarbeitern war wegen Investitionen von mehr als zwölf Milliarden Euro in zwei Stahlwerken in die Krise geraten. Als Gründe für die Fehlentscheidungen der Vergangenheit nannte Burkhard das "sehr hierarchische System" ohne eine "moderne Feedback-Kultur. In solchen Systemen traut sich keiner, schlechte Nachrichten nach oben weiterzugeben. Es gab vermutlich eine Reihe von Leuten, die gesehen haben, wie die Kosten der zwei Stahlwerke in Brasilien und in den USA von 3,5 Milliarden auf zwölf Milliarden davonliefen. Aber es gab eben kein Korrektiv, keine Kultur, in der jemand ohne Angst sagen kann ,Stopp, hier läuft etwas völlig falsch'", sagte Burkhard. Man sei wohl auch zu überheblich gewesen und habe beim Stahl "alles auf eine Karte gesetzt".

Nun sei der Konzern "im Aufbruch" und "wir wollen halten, was wir versprochen haben. Das ist ein operatives Ergebnis von rund einer Milliarde. Auch unser Nettoergebnis soll in diesem Jahr wieder in Richtung einer schwarzen Null gehen", sagte Burkhard dem Tagesspiegel.

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