Wirtschaft : Personalien: Ehemaliger Bosch-Chef Marcus Bierich ist tot

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Philosophen im Management sind selten. Marcus Bierich, der langjährige Vorsitzende der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, war einer. Am vergangenen Samstag ist er in Stuttgart im Alter von 74 Jahren gestorben. Operatives Geschäft, die Leitung eines Großkonzerns, und Reflexion, die Praxis des Philosophen, vertrügen sich nicht, sagt man gemeinhin. Daran ist vieles richtig: Deshalb werden Spitzenmanager in der Regel als Macher und Entscheider, aber nicht als Denker berühmt. Bierich war die große Ausnahme. Fast zehn Jahre, von Januar 1984 bis Juli 1993, stand er an der Spitze des Weltkonzerns. Das waren Jahre des Umbruchs und der Reorganisation der deutschen Elektroindustrie und der Automobilzulieferer. Zugleich hat Bierich, belesen wie kaum ein zweiter auf vergleichbaren Posten, die unternehmerische Praxis bei Bosch mit Ideen begleitet, die über den Tag hinaus weisen: Wie wird die Arbeitswelt von morgen aussehen? Wieviel Selbstständigkeit und Verantwortung brauchen Unternehmungen in der globalen Wirtschaft?

Bierich war ein Anreger, intern und extern. Dass er gleichwohl nie groß in der Öffentlichkeit in Erscheinung trat, liegt an seinem diskreten Naturell. Es liegt aber auch daran, dass "Gottvater" Hans Merkle als persönlich haftender Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand KG die Fäden bei Bosch bis zu seinem Tod vor zwei Monaten gezogen hat. Bierichs Wirken in wichtigen Aufsichstsgremien liest sich dennoch wie ein Adressbuch der deutschen Wirtschaft: Allianz, BASF, Deutsche Bank und Veba sind darunter, aber auch J.M. Voith, das Heidenheimer Maschinenbauunternehmen des neuen BDI-Präsidenten Michael Rogowski. Über lange Jahre dürfte kaum eine Spitzenposition der deutschen Verbände ohne sein Wissen besetzt worden sein.

Bierich stammt aus einem Professorenhaus. Nach einem Studium der Naturwissenschaften, Mathematik und Philosophie wurde er mit einer Arbeit über Bertrand Russels "Grundlagen der Mathematik" promoviert. Den industriellen Wandel in Deutschland lernte er zwischen 1961 bis 1980 bei der Mannesmann AG kennen. Zwischen 1980 und dem Eintritt bei Bosch arbeitete er als Finanzchef der Allianz.

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