Wirtschaft : Personalien: Herbert Giersch wird 80 Jahre

ank

Optimismus ist Pflicht. So lautet das Credo des großen Liberalen Herbert Giersch. Er hat es einem anderen großen Liberalen entlehnt: Karl Popper. Liberale, meint der ehemalige Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, seien für die Zukunft besser gerüstet als Konservative, die immer ein bisschen traurig in die Vergangenheit blicken. Aber auch besser als Sozialisten, die zwar der Zukunft zugewandt sind - aber voller egalitärer Illusion. Die liberale Testfrage auf die Zukunft heißt für Giersch: "Will ich im Falle einer Wiederkehr und bei freier Wahl lieber früher oder später auf die Welt gekommen sein?" Und er beantwortet sie gerne im Sinne eines "blauäugigen Fortschrittsoptimismus": Lieber später als früher und auf keinen Fall vor der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Giersch ist in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf die Welt gekommen, genau gesagt: am 11. Mai 1921. Er habe so viel Glück in seinem Leben gehabt, dass er fast am eigenen Agnostizismus zweifeln müsse, hat er einmal gesagt. Fromm ist er deswegen nicht geworden. Nicht nur Giersch, viele andere haben offenkundig durch ihn auch Glück gehabt. Kaum ein Wirtschaftswissenschaftler hat die Geschichte der Bundesrepublik so sehr beeinflusst wie Herbert Giersch. In den 60er Jahren war er Mitglied im Sachverständigenrat. Generationen von Ökonomen wurden von ihm ausgebildet, und wenn man sie erzählen hört von Saarbrücken, wo Giersch zwischen 1955 und 1969 lehrte, dann muss es tatsächlich ein Glück gewesen sein, zu seinen Schülern zu zählen. Wer ihn nur von Vorträgen und Lektüre kennt, bewundert die Klarheit des Denkens und die Einfachheit der Sprache. Wer Angst hat, Ökonomie sei ein Buch mit sieben Siegeln, muss Giersch lesen, um vom Gegenteil überzeugt zu werden. Das Kieler Institut ehrt ihn zum 80. Geburtstag am Freitag mit einem Symposion. Den Festvortrag hält der Nobelpreisträger Robert M. Solow (MIT).

0 Kommentare

Neuester Kommentar