Personalplanung : Die Allianz will weiblicher werden

Viel mehr Frauen und Ältere, weil die Zuwanderung nicht reicht: Mit Hilfe einer neuen, globalen Personalplanung will die Allianz analysieren, wie sich die Personalzahlen bis 2020 in den einzelnen Tochtergesellschaften entwickeln.

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Berlin - Ohne die Frauen geht es nicht. Jedenfalls nicht mehr. „Die Förderung von Frauen ist für uns eine absolute Notwendigkeit“, sagt Wolfgang Brezina, Personalvorstand bei der Allianz Deutschland AG. Offenbar ist das nicht nur Wortgeklingel einer männlichen Führungskraft. Die Allianz betreibt Kinderkrippen am Münchener Hauptsitz für die Nachkommen ihrer Mitarbeiter, hat weitere Plätze in privaten Kitas gebucht und fördert Heim- oder Telearbeit, für die sich besonders Frauen interessieren. Und ganz oben hätten die Herren auch gerne mehr Kolleginnen an der Seite: Wenn es eine Stelle im Vorstand oder auf der Ebene darunter zu besetzen gibt, muss bei drei Bewerber(innen) mindestens eine Frau dabei sein. Daneben gibt es das „Top-100-Programm“, in dem die besten 100 Allianz-Frauen weltweit untergebracht sind.

Jede dieser Frauen bekommt einen Paten von ziemlich weit oben, aus der Hierarchiestufe unterhalb des Vorstands. Dieser hilft dann dabei, die viel versprechende Frau binnen zwei Jahren eine Stufe höher auf die Karriereleiter zu stellen. Denn „kein Unternehmen kann es sich leisten, das Potenzial von fast 50 Prozent seiner Angestellten nicht auf allen Ebenen zu nutzen. Wir arbeiten deshalb intensiv daran, die Karrieren von Frauen zu beschleunigen“, erklärte Personalchef Brezina am Freitag in München. Der Talentpool des Versicherungskonzerns, der weltweit mehr als 150 000 Mitarbeiter zählt, solle in fünf Jahren zu mindestens 30 Prozent aus Frauen bestehen.

Mit Hilfe einer neuen, globalen Personalplanung will die Allianz analysieren, wie sich die Personalzahlen bis 2020 in den einzelnen Tochtergesellschaften entwickeln. Dabei könne die Planung sogar auf einzelne Funktionen oder Berufe heruntergebrochen werden, glauben die Personalstrategen. „Das Ausmaß des Fachkräftemangels ist für uns klar messbar“, sagte Allianz-Chef Michael Diekmann am Freitag. Einen Engpass sieht der Konzern zum Beispiel bei Aktuaren, den hochspezialisierten Versicherungsmathematikern, die Versicherungstarife unter Einbeziehung diverser Risiken berechnen. Derzeit beschäftigt die Allianz rund 50 dieser Experten in Deutschland. Nun hat die Versicherung ein globales Entwicklungsprogramm gestartet für neue Aktuare und für Fachkräfte, die bereits im Unternehmen arbeiten. Attraktiv werde die Allianz durch die Internationalität, argumentiert Diekmann. „Unsere globale Präsenz ist das Alleinstellungsmerkmal der Allianz als Arbeitgeber.“

Da es in diesem Jahr erstmals in der EU „weniger potenzielle Berufseinsteiger als Ruheständler gibt“ und sich der Trend verfestigt, reiche auch eine stabile Zuwanderung nicht aus. Denn selbst dann werde die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter bis 2030 um 4,2 Millionen sinken. Neben einer höheren Erwerbsbeteiligung der Frauen werde Deutschland deshalb auch Ältere viel umfangreicher beschäftigen müssen. „Dazu zählen neben der vieldiskutierten Förderung der Aus- und Weiterbildung insbesondere die Schaffung altersgerechter Arbeitsplätze“, heißt es bei der Allianz.

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