Personalpolitik : „Der Jugendwahn ist vorbei“

Das aktuelle Urteil des Bundesgerichtshofs zur Altersdiskriminierung belegt einmal mehr ein gesellschaftliches Umdenken, sagt der Personalexperte Jürgen Below.

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Jürgen Below ist Geschäftsführer und Partner der Managementberatung Kienbaum Berlin. Foto: Promo
Jürgen Below ist Geschäftsführer und Partner der Managementberatung Kienbaum Berlin.Foto: Promo

Herr Below, in dieser Woche hat der Bundesgerichtshof (BGH) dem ehemaligen Geschäftsführer einer Kölner Klinik Schadensersatz wegen Altersdiskriminierung zugesprochen. Der Vertrag des damals 62-jährigen war wegen seines Alters nicht verlängert und ein jüngerer Bewerber eingestellt worden. Wird es in Zukunft für Firmen schwieriger, ältere Manager loszuwerden?

Wer das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) kennt, weiß, dass Altersdiskriminierung gesetzeswidrig ist. Mich hat überrascht, dass der damalige Aufsichtsratsvorsitzende der Klinik so unprofessionell war und sich öffentlich über das Alter des 62-Jährigen ausgelassen hat. Man kann jemanden auch aus fachlichen Gründen ablehnen. Besonders an dem Urteil ist vielmehr, dass das AGG nun auch auf die Geschäftsführung bezogen wird.

Was halten Sie von dem Urteil?

Es belegt ein gesellschaftliches Umdenken. Seit zwei, drei Jahren stelle ich mehr und mehr fest, dass der Jugendwahn in der Wirtschaft so gut wie vorbei ist und viele Unternehmen erkannt haben, dass ältere Manager mindestens genauso leistungsfähig sind wie jüngere – und außerdem noch viel Erfahrung mitbringen.

Wie zeigt sich das?

Wenn ich Projekte annehme, gehört Erfahrung zu den wichtigsten Anforderungen der Auftraggeber. Immer mehr Firmen haben keine Hemmungen mehr, Manager über 50 oder 60 zu beschäftigen. Das ist auch nicht unbedingt eine Folge des Fachkräftemangels. Bei Führungskräften ist der Markt nicht so eng wie bei Fachkräften.

Ist es nicht auch nachvollziehbar, dass Firmen, die sich neu aufstellen wollen, eher nach einem jüngeren Manager suchen?

Sicher gibt es Positionen, in denen sie besser passen. In Start-ups, der Produktentwicklung oder im Marketing kann es naheliegender sein, Jüngere einzusetzen. Für etablierte Unternehmen und generelle Führungsaufgaben sind dagegen eher erfahrene Manager gefragt.

Was raten Sie Managern, die möglichst lange im Geschäft bleiben wollen?

Wer mit über 65 noch arbeiten will, sollte sich nicht von Klauseln in Arbeitsverträgen bremsen lassen und sich früh genug nach einer altersgerechten Position umsehen, in der er seine Fähigkeiten einsetzen kann. Ältere sollten sich stets fortbilden, Jüngere akzeptieren sie nur, wenn ihr Wissen auf der Höhe der Zeit ist.

Herr Below, wie alt sind Sie?

(lacht) 58. Und auch ich mache mir Gedanken über meine berufliche Zukunft. Mit 63 aussteigen, nach 65 weiterarbeiten? Noch ist alles offen. Über meine Chancen muss ich mich aber kaum sorgen. Als Berater wird man mit zunehmendem Lebensalter durch seine Erfahrungen und Kontakte immer wertvoller.

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