Personalskandal bei der Deutschen Bahn : Wird die Misere in Mainz den Verantwortlichen gefährlich?

Bei der Bahn fehlt das Personal an allen Ecken und Enden. Mittlerweile ist sie schon gar nicht mehr in der Lage, ihren Betrieb aufrecht zu erhalten. Die DB-Führung ist blamiert - und auch im Wahlkampf wird die Misere allmählich Thema. Und für einige der beteiligten Personen wird es langsam ungemütlich.

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Bahn-Managern dürfte es nicht immer leicht fallen, ihren Job zu mögen. Regelmäßig müssen sie sich voller Demut öffentlich entschuldigen – wenn mal wieder S-Bahnen und Klimaanlagen ausfallen oder ruppige Schaffner Fahrgäste aus dem Zug werfen. Am Mittwoch traf es Ulrich Weber, den Personalvorstand des Unternehmens. Ein „Debakel, das nicht hätte passieren dürfen und und auch nicht mehr passieren darf“ nannte er am Mittwoch den massenhaften Ausfall von Zügen am Mainzer Hauptbahnhof als Folge von Personalengpässen im Stellwerk. Falsch sei aber, dass es keine Personalplanung bei der Bahn gebe.

Wie geht es bei der Bahn weiter?

Doch genau den Vorwurf der falschen Planung machen die Gewerkschaften dem bundeseigenen Unternehmen derzeit. Sie nutzten ein Treffen mit den Personalchefs der Konzern-Sparten, um ihrem Unmut über den Personalmangel vor allem in den Stellwerken Luft zu machen. „Mainz ist die Spitze des Eisbergs“, sagte Alexander Kirchner, Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Konzernweit seien acht Millionen Überstunden und neun Millionen Stunden ausstehender Urlaub aufgelaufen. „Unsere Forderung ist eine Personalplanung, die sicherstellt, dass die Kollegen ihren Urlaub bekommen und freie Tage tatsächlich frei sind.“ Bei dieser Planung wollen Kirchner und seine Leute stärker mitreden. Genaue Zahlen, wie viele Fachkräfte der Bahn fehlen, nannte er allerdings nicht.

Bereits am Dienstag hatte es ein Krisentreffen zwischen Bahn-Managern und rheinland-pfälzischen Landespolitikern gegeben. Dabei hatte die Bahn zugesagt, ab kommendem Wochenende wieder mehr Züge in Mainz einzusetzen und ab dem Monatsende wieder den regulären Fahrplan zu erfüllen. Daneben gab die Bahn zu, dass der Personalmangel ein bundesweites Problem sei. Bis zu sieben Stellwerke seien im Fokus, sagte DB-Netz-Chef Frank Sennhenn. Darunter sind Zentralen in Berlin, Sachsen, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz.

EVG-Chef Kirchner griff am Mittwoch außerdem Bahn-Chef Rüdiger Grube an. Der hatte Mitarbeiter aus dem Stellwerk Mainz persönlich per Telefon um eine Verschiebung ihres Urlaubs gebeten. Dies sei ein „Ding der Unmöglichkeit“ kritisierte Kirchner. Es stelle sich die Frage, ob das Unternehmen so seiner Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern gerecht werde.

Was treibt die Gewerkschaften an?

Für Kirchner und seinen Konkurrenten Claus Weselsky, Chef der Lokführer-Gewerkschaft GDL, ist der Konflikt in Mainz eine Chance zur Profilierung. EVG und GDL konkurrieren um Mitglieder – zwar nicht aktuell, aber ab 2014 wieder. So lange hat sich die GDL verpflichtet, sich allein um die Belange von Lokführern und Zugbegleitern kümmern zu wollen. Endet dieser Burgfrieden aus dem Tarifkonflikt 2008, werden die Karten neu gemischt – der Gewerkschaft, die sich am rührendsten kümmert, winken am ehesten Mitgliederzuwächse.

Kann der Skandal der Bahn-Führung gefährlich werden?

Lange Zeit war es ruhig um Bahn-Chef Rüdiger Grube und seinen Infrastruktur-Vorstand Volker Kefer, sie waren im Urlaub. Doch die Affäre Mainz schadet dem Image der Bahn erneut stark, zudem geht es um ein bundesweites Problem. Grube und Kefer wissen, dass sie nicht mehr alles der Spar-Politik von Ex-Chef Hartmut Mehdorn zuschreiben können. Schließlich steht Grube seit Mai 2009 an der Spitze. Auch deshalb haben schon drei Spitzenleute aus der Netz-Sparte ihren Job verloren. Gegenwind aus dem Aufsichtsrat des Konzerns, in dem die Bundesregierung den Ton angibt, droht aber vorerst nicht. Zwar soll das Thema Mainz bei der nächsten Sitzung des Gremiums umfangreich diskutiert werden, wie am Mittwoch mehrere Mitglieder des Aufsichtsrats sagten. Aber Versäumnisse sehen man bei den Herren nicht. Kein Wunder: Noch mehr Turbulenzen bei der Bahn können Union und FDP im Wahlkampf nicht gebrauchen. Grube weiß das, zeigte aber trotzdem Flagge in Mainz: Er besuchte am Mittwoch seine Leute im dortigen Stellwerk und sprach mit ihnen über die aktuelle Lage.

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