Wirtschaft : Peso-Schwäche und Börsentief in Mexiko

MEXIKO-STADT (dbi/HB).Angesichts der anhaltenden Talfahrt der mexikanischen Finanzmärkte versucht die Regierung, Bevölkerung und Anleger zu beruhigen.Mexiko habe seine Hausaufgaben gemacht, erklärte Präsident Ernesto Zedillo.Die Börsenbaisse und der schwache Peso könnten nichts daran ändern, daß eine Krise wie jene von 1994/95, als die Abwertung der Landeswährung die gesamte Wirtschaft ins Schleudern brachte, heute äußerst unwahrscheinlich sei.Der Börsenindex von Mexiko-Stadt sank am Mittwoch zum neunten Mal in Folge und erreichte mit 3561,50 Punkten den tiefsten Stand seit Januar 1997.Auch der Peso fiel erneut: Der Wechselkurs zum Dollar betrug am Mittwoch abend 9,25.

Bei der wöchentlichen Auktion der Schatzbriefe der Regierung waren die Zinsen am Dienstag in die Höhe geklettert.Die Zinsen für die als Referenzwert geltenden Cetes (Laufzeit 28 Tage) stiegen um 160 Punkte an auf 21,49 Prozent.

Die Unruhe der vergangenen Tage sei keineswegs auf die Lage in Mexiko, sondern vielmehr auf äußere Einflüsse zurückzuführen, vor allem aus Asien, sind sich die Analysten einig.Auch Präsident Zedillo sagte, dank der Haushaltsdisziplin und Devisenreserven von rund 30 Mrd.Dollar sei es sehr unwahrscheinlich, daß das Land erneut in eine Krise abrutschen könne.

In der Tat sind die makroökonomischen Eckwerte in Mexiko noch immer zufriedenstellend.Die Wirtschaft wuchs im ersten Halbjahr laut provisorischen Angaben um rund sechs Prozent und dürfte das Jahr mit einem Plus von vier bis fünf Prozent beenden, die Inflation dürfte bei 15 Prozent liegen.Das Haushaltsdefizit hält sich mit voraussichtlich 1,5 bis zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im erträglichen Rahmen, und mehr als die Hälfte des Leistungsbilanzdefizits wird durch Direktinvestitionen aus dem Ausland ausgeglichen.

Auf der politischen Ebene bleibt derzeit allerdings der Eindruck zurück, daß der Reformeifer und das Durchsetzungsvermögen der Regierung nachgelassen haben.Offensichtlichstes Beispiel dafür ist der Umgang mit dem staatlichen Einlagensicherungsfonds Fobaproa, der von angeschlagenen Banken in Folge der letzten Krise umgerechnet über 100 Mrd.DM an faulen Krediten übernommen hatte.Kaum ein Experte bezweifelt den Sinn dieses Fonds, der die Banken vor dem Kollaps bewahrte und damit den Schaden der Krise einigermaßen in Grenzen hielt.Doch seit bekannt wurde, daß mit den Fondsmitteln offensichtlich auch Mißbrauch betrieben wurde, ist die staatliche Abgeltung der faulen Kredite zum politischen Gezänk der Parteien verkommen - mit noch offenem Ausgang.

Im Hinblick auf die Präsidentenwahl im Jahr 2000 macht sich zudem neue Unruhe breit.In den drei großen Parteien rangeln die denkbaren Präsidentschaftskandidaten um die beste Ausgangslage.Beobachter befürchten, daß es deshalb vom kommenden Jahr an zu neuer politischer und wirtschaftlicher Unruhe kommen dürfte.

Finanzminister José Angel Gurria ist diesen Spekulationen jüngst energisch entgegengetreten.Von den sechs Hauptgefahren, die der Präsidentenwechsel in Mexiko erfahrungsgemäß mit sich bringe, habe die Regierung fünf im Griff, versicherte Gurria.Einzig die Stabilität des Finanzsektors sei angesichts der anhaltenden Bankenkrise noch nicht voll gewährleistet.Nicht alle Experten können Gurria darin zustimmen.So hat der unabhängige Wirtschaftsanalyst Jonathan Heath dem Minister vorgeworfen, auch die andern fünf traditionellen Schwachpunkte (Ausgabendisziplin, Verschuldung, einseitige Exporte, Sparquote, Wechselkurs) seien von der Regierung Zedillo keinesfalls aus der Welt geschafft worden.

Das Finanzministerium hat zwar mit den drei seit Jahresbeginn vorgenommenen Etatkürzungen bewiesen, daß sie auf externe Einflüsse wie die fallenden Ölpreise zu reagieren weiß.Doch bleibt festzuhalten, daß die Staatsausgaben seit Jahren unverändert zu 30 bis 40 Prozent mit Einnahmen aus dem Ölgeschäft bestritten werden.Eine Steuerreform wird zwar diskutiert, ist aber von der Realisierung weit entfernt.

Mit Blick auf die Verschuldung ist Heath überzeugt, daß das Land seine internen wie externen Verbindlichkeiten im Griff hat.Allerdings wird erst das Wahljahr 2000 beweisen, ob sich die Regierung nicht wie ihre Vorgängerin zu zusätzlichen Ausgaben hinreißen läßt und dazu Kredite mit kurzen Laufzeiten aufnimmt.

Die Exporte haben sich zwar in den letzten Jahren immer mehr vom Erdöl wegbewegt.Aufgrund der tiefen Erdölpreise - die mexikanische Exportmischung erzielte im ersten Halbjahr durchschnittlich gerade noch 10,63 Dollar pro Faß - und der explosionsartigen Zunahme der Exporte aus der verarbeitenden Industrie an der Grenze zu den USA, entsprechen die Ölverkäufe nur noch sechs Prozent der Ausfuhren.

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