Wirtschaft : Pessimisten sehen Euro bei 1,05 Dollar

BERLIN / FRANKFURT (MAIN) (dr/ro).Die Abwärtsbewegung des Euro hat sich am Dienstag fortgesetzt.Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt (Main) legte den Referenzkurs für einen Euro am Nachmittag auf 1,0887 (Montag: 1,0986) Dollar fest.Für den Dollar ergab sich damit zur D-Mark ein Kurs von 1,7965 (1,7803) DM.Am Nachmittag zog der Euro leicht an.Am Jahresanfang war er noch mit 1,18 Dollar gehandelt worden.

Zu dem erneut nachgebenden Kurs des Euro paßte die Nachricht, daß das US-Konjunkturbarometer weiter nach oben zeigt.Im Januar stieg der Index wichtiger Wirtschaftsdaten um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat.Es war der vierte monatliche Anstieg in Folge.Er fiel etwas höher aus, als von Experten erwartet worden war.An den Märkten machte sich daraufhin so etwas wie Katerstimmung breit.Nicht mehr die Stärke der US-Wirtschaft, sondern der deutsche Finanzminister Oskar Lafontaine (SPD) werden nun als Argument ins Feld geführt."Wir Europäer reden den Euro kaputt", klagte Klaus Friedrich, Chef-Volkswirt der Dresdner Bank.Bemerkbar macht sich jetzt nach Ansicht von Friedrich, daß Euroland zwar eine Währung, aber elf verschiedene Regierungen habe."Man kann zwar nicht erwarten, daß alle mit einer Stimme reden.Aber das Gegenteil sollte man auch nicht tun", meint Friedrich.Der offene Konflikt mit der EZB sei im übrigen mit Blick auf gewünschte Zinssenkungen kontraproduktiv, ganz abgesehen von der Schwäche des Euro.Man könne durchaus über eine Lockerung der Geldpolitik diskutieren.Dies solle aber nicht in aller Öffentlichkeit geschehen, sondern so diskret, wie sich das in den USA zwischen Finanzminister und Notenbank abspiele.Andererseits riet Friedrich aber auch zur Gelassenheit."Das ungebrochene Wirtschaftswachstum in den USA mit einer Jahresrate von sechs Prozent hat alle überrascht."

Andere Beobachter verwiesen auch auf die große Anti-Euro-Kampagne in Großbritannien, die der Einheitswährung schaden könne.Zudem tue die Politik, gerade in Deutschland, alles dazu den Euro herunterzureden und so die Exportindustrie zu stützen.Ähnlich hatte vor einigen Tagen Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark argumentiert: Er habe mit Enttäuschung zur Kenntnis nehmen müssen, daß die europäische Politik dazu neige, die eigene Währung schwach zu reden, was das Vertrauen in die EZB nicht gerade fördere."Erstaunlicherweise hat bisher kein Politiker erklärt, ein starker Euro liege im Interesse Europas", sagte Stark.Wenn ein solches Signal ausbleibe, könne dies zu einem sich selbst verstärkenden Prozeß an den Devisenmärkten führen.

Ulrich Beckmann von der Deutsche Bank Research und Michael Heise von der DG Bank verwiesen ebenfalls auf die Entwicklung in den USA.Ferner habe der Dollar gegenüber dem Euro einen Zinsvorteil.Während in den USA angesichts der anhaltend robusten Konjunktur viele Beobachter mit einer schärferen Geldpolitik und mit höheren Zinsen rechnen, erwarten die Volkswirte in Euroland bis Sommer sinkende Leitzinsen."Noch hat der Euro Spielraum nach unten bis auf 1,05 Dollar", glaubt Beckmann.Allerdings rechnet er genau wie seine Kollegen aus den anderen Banken nicht damit, daß es soweit kommt.Mit einer Abflachung der Konjunkturentwicklung werde der Euro im Laufe des nächsten halben Jahres wieder auf ein Niveau von 1,15 Dollar klettern.Beckmann betrachtet das derzeitige Niveau im übrigen durchaus als hilfreich: Ein schwacher Euro stimuliert den Export und bietet damit einen Ausgleich für die nicht gerade starke Binnenkonjunktur in Euroland.Verantwortlich seien auch die Politiker in Europa, nicht nur der deutsche Finanzminister, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Ulrich Ramm."Europa hat kein Konzept gegen die Arbeitslosigkeit."

Für die Volkswirte der Frankfurter Großbanken steht angesichts dieser Situation fest, daß der Rat der Europäischen Zentralbank bei seiner Sitzung am Donnerstag nicht an der Geldpolitik rütteln und die Zinsen nicht senken wird.EZB-Präsident Wim Duisenberg hat im übrigen schon jegliche Spekulation im Keim erstickt.Mit drei Prozent seien die Zinsen auf dem niedrigsten Niveau seit dem Zweiten Weltkrieg.Dadurch würden die Unternehmen bei möglichen Investitionen nicht gebremst.

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