• Peter Kurth, Präsident der Entsorgungswirtschaft, im Interview: „Die volkseigene Wirtschaft feiert wieder Triumphe“

Peter Kurth, Präsident der Entsorgungswirtschaft, im Interview : „Die volkseigene Wirtschaft feiert wieder Triumphe“

Peter Kurth, Präsident des Verbandes der privaten Entsorgungswirtschaft, über die Gelbe Tonne Plus, Biomüll und den Trend zur Rekommunalisierung.

Alfons Frese
Peter Kurth (BDE-Chef, Bundesverband der Entsorgungswirtschaft).
Peter Kurth (BDE-Chef, Bundesverband der Entsorgungswirtschaft).Foto: Mike Wolff

Herr Kurth, wer kümmert sich künftig um das Quietscheentchen?
Die Quietscheente steht symbolisch dafür, dass ein stoffgleiches Produkt zusammen mit den Verpackungen in der Gelben Tonne Plus oder der Wertstofftonne gesammelt werden sollte. 15 Millionen Menschen in Deutschland haben inzwischen diese Wertstofftonne.

Wer sammelt und verwertet das Zeug dieser 15 Millionen?
Fast überall private Entsorger, die in den jeweiligen Städten und Gemeinden zum Teil gemeinsam mit kommunalen Entsorgungsunternehmen auftreten. In Berlin sammelt die BSR in einigen Straßen und in anderen Straßen macht das Alba. Der Sinn der Sache, also nicht nur Kunststoffverpackungen, sondern stoffgleiche Produkte wie etwa die Quietscheente zu sammeln, ist unumstritten.

Brauchen wir dann überhaupt ein Gesetz, wie es Umweltministerin Hendricks plant?
Tatsächlich steht heute schon im Gesetz, dass Verpackungen mit anderen Gegenständen aus demselben Material zusammen gesammelt werden können. Frau Hendricks möchte gerne mit dem Wertstoffgesetz die Verpackungsentsorgung nochmals grundsätzlich reformieren.

Um den Kommunen zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten zu geben?
Das ist eine Absicht. Es gibt andere Motive, die besser sind, zum Beispiel höhere Recyclingquoten oder besserer Vollzug. Deutschland ist beim Recycling wirklich gut, aber bei Verpackungen kann noch mehr getan werden. Hier beträgt die gesetzliche Quote nur 36 Prozent.

Das ist eine bescheidene Quote bei dem hohen Aufwand für das Duale System.
Das Prinzip der Produktverantwortung hat sich bewährt: Wer ein Produkt in Verkehr bringt, der muss finanziell und organisatorisch die Verantwortung für die spätere Entsorgung übernehmen.

Auf jeden Fall zahlt der Verbraucher.
Der Verbraucher bezahlt im Supermarkt mit dem Kauf eines Produktes die spätere Entsorgung. Etwa elf Euro im Jahr. Deshalb muss er die gelbe Tonne nicht bezahlen, die ist kostenlos. Doch nicht alles, was in der gelben Tonne landet, lässt sich vernünftig recyceln. Manches ist zu verschmutzt, bei anderen Abfällen lohnt sich die Aufbereitung nicht, auch weil wir in Deutschland eine sehr günstige Müllverbrennung haben.

Verfeuern vor Verwerten?
Es gibt hierzulande rund 70 Müllverbrennungsanlagen, viele waren lange Zeit nicht ausgelastet. Durch Müllimporte, vor allem aus Großbritannien, sind diese Kapazitäten heute besser ausgelastet. Das macht auch Sinn. Es ist in jeder Hinsicht besser, den Müll hier zu verbrennen, als jenseits der deutschen Grenzen zu deponieren.

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