Peter Wicht : „Wenn die Sonne scheint, geht es uns gut“

Herr Wicht, wie kann man in Deutschland profitabel Fahrräder für den Massenmarkt herstellen?

Für uns hat sich der Markt 2007 günstig entwickelt, weil es weniger deutsche Anbieter gibt. Biria, die wir übernommen haben, Bike Systems, Vaterland, Enik und andere Fabriken gibt es nicht mehr. Dadurch lässt der Preisdruck nach. Zudem haben wir in ein neues Lagersystem investiert und die Montage effizienter gemacht.

Dafür wächst der Druck der Hersteller aus Osteuropa oder Asien.

Wir glauben, dass wir künftig so effizient sind, dass unsere Stückkosten niedriger sind als die Transportkosten der Wettbewerber aus Asien. Ein Fahrrad ist kein Massenartikel wie ein T-Shirt. Das kann man hunderttausendfach in einen Container stecken und für ein paar Cent pro Stück nach Europa transportieren. Fahrräder zu verschicken, ist teurer.

Drei Viertel der Mifa-Produktion gehen an Versandhändler und Discounter. Die achten besonders auf den Preis. Spüren Sie das?

Wer für die Handelsketten produziert, steht immer im Preiswettbewerb, egal ob er ein Stück Butter, einen Computer oder ein Fahrrad herstellt. Am Ende ist der im Vorteil, der am effizientesten produziert. Wir können große Stückzahlen produzieren, deshalb ist das Geschäft mit den Ketten für uns planbar. Wir bekommen unser Geld pünktlich.

Wie billig müssen Ihre Räder sein?

Unsere Räder kosten im Handel zwischen 120 und 500 Euro. Aber es läuft nicht alles über den Preis. Noch vor Kurzem hielten es einige Handelsketten für nötig, Fahrräder für unter 99 Euro anzubieten. Das ändert sich gerade. Für ein gutes, alltagstaugliches Produkt muss man vernünftiges Geld bezahlen. Wir profitieren davon, dass in Deutschland sehr viele Räder zwischen 150 und 250 Euro gekauft werden.

Können Sie in Deutschland noch wachsen?

Wir sind mit 800 000 abgesetzten Rädern Marktführer. In Frankreich, in den Benelux-Staaten und Skandinavien gewinnen wir neue Kunden. Hier legen wir bei Handelsketten kräftig zu.

Der sonnige Frühling war 2007 ein Segen für die Branche und Mifa. Ihre Neun-Monats-Zahlen waren vielversprechend. Ist auch das Gesamtjahr gut gelaufen?

Wir hatten im vierten Quartal noch viel zu verdauen: die Integration von Biria, die Investition in ein neues Lagersystem, Veränderungen in der Montage. Das ist jetzt abgeschlossen. Wir schauen wieder optimistisch in die Zukunft.

Wie wird das Fahrradjahr 2008?

Das können wir in zwei oder drei Monaten sagen. Wenn die Sonne im Frühling und Sommer oft scheint, geht es uns gut.

Das Interview führte Henrik Mortsiefer

Peter Wicht ist Vorstandschef der Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa), Sangershausen. Der größte Fahrradhersteller Deutschlands
ist seit 2004 an der Börse notiert.

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